Mouches Volantes im alten Europa (2)

Teil 3: Die Kelten von Floco Tausin

2) Die Kultur der Kelten

Nachdem um 1200 v. Chr. die spätbronzezeitlichen Zivilisationen in Griechenland, Anatolien, Zypern, Syrien, Mesopotamien und Ägypten durch ungeklärte Ereignisse kollabiert oder erheblich geschwächt wurden (Martin 2000; Popham 1994),begann im 1. Jahrtausend v. Chr. eine neue Ära. Als die Europäer begannen, Eisen in großen Mengen zu verarbeiten, als die Texte von Homer und Herodot die Zeit der Geschichtsschreibung und der Schriftlichkeit einläuteten, als sich Griechen und Phönizier, später Römer und Karthager um die Vorherrschaft im Mittelmeer stritten (Cunliffe 1994; Harding 1994), da blühte in Mitteleuropa die Kultur und Kunst der Kelten.
Die Kelten waren vermutlich eines der indoeuropäischen Völker, welche ab dem 4. Jahrtausend v. Chr. aus Zentralasien nicht nur nach Anatolien, in den Nahen Osten und nach Südasien wanderten, sondern auch nach Europa (Gimbutas 1994). Ihre europäische Heimat war das Gebiet um die Flüsse Rhein, Donau und Rhone in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz.Rasch verbreiteten sich die Kelten aber in ganz Europa. Keltische Stämme wohnten und herrschten von England bis Italien und von Spanien bis in die Türkei. Ihre Spuren lassen sich selbst in Syrien, Israel, Ägypten und Karthago nachweisen. Obwohl die keltischen Gesellschaften sehr divers waren, teilten sie eine ähnliche Grundsprache, soziale Organisation, Kunst und Religion.Von den Kelten existieren nur wenige schriftliche Zeugnisse. Unser Wissen über ihre Kultur und Religion gründet auf griechischen und römischen Quellen sowie auf archäologischen Funden. Erst ab dem 8. Jahrhundert, und unter dem Einfluss des Christentums, wurden in Irland und England die bis dahin mündlich überlieferten Mythen und Geschichten der Kelten aufgeschrieben und teilweise zu einem keltischen Christentum verbunden. Aus archäologischen Quellen über die Hallstatt- und Latène-Kulturen (9.-1. Jh. v. Chr.) ist bekannt, dass die Kelten ihre Wirtschaft als eines der ersten Völker Europas um Eisenwaren zentrierten, zweirädrige Streitwagen und Strassen bauten, geschickte Landwirte waren, Bewässerungssysteme und Kanalisationen entwickelten, Münzen herstellten, ihr eigenes Kalendersystem einrichteten und wohl aus religiösen Gründen Gebrauchsgegenstände, Waffen, Schmuck, Münzen sowie die Köpfe von besiegten Gegnern in Flüssen, Seen, Weihern, und Sümpfen versenkten.Sie nutzten die älteren megalithischen Erdwerke für kultische Zwecke, bauten aber auch neue Erdwerke.Die keltischen Gesellschaften waren unterteilt in „Kasten“: Bauern und Handwerker produzierten Lebensmittel und Gebrauchswaren. Der Kriegeradel stellte den König, wobei die keltischen Könige wiederum einen Großkönig wählten. Die Druiden schließlich waren die geistige Elite. Sie übernahmen diverse Aufgaben als Richter, Anwälte, Heiler, Barden, Priester, Wahrsager und Bewahrer der mündlichen Tradition (Berresford Ellis 2003; Rankin 1996).

::Der AutorFloco Tausin


::Inhaltsverzeichnis

::Teil 1 – Einleitung
::Teil 2 – Die Kultur der Kelten
::Teil 3 – Gestirne, Götter, Schlangeneier
::Teil 4 – Kurvenlinien und Schlangen
::Teil 5 – Keltische Köpfe
::Teil 6 – Kessel, Räder und Sonnenwagen (1)
::Teil 7 – Kessel, Räder und Sonnenwagen (2)
::Teil 8 – Druiden als Schamanen, Ekstatiker und Seher


::Literatur

Martin, Thomas R. (2000): Ancient Greece. From Prehistoric to Hellenistic Times. New Haven/London: Yale Nota Bene
Popham, Mervyn (1994): „The Collapse of Aegean Civilization at the End of the Late Bronze Age“. The Oxford Illustrated Prehistory of Europe, hrsg. v. Barry Cunliffe. Oxford/New York: Oxford University Press: 277-303
Cunliffe, Barry (1994): „Iron Age Societies in Western Europe andBeyond, 800-140 BC“. The Oxford Illustrated Prehistory of Europe, hrsg. v. Barry Cunliffe. Oxford/New York: Oxford University Press: 336-372
Harding, Anthony (1994): „Reformation in Barbarian Europe, 1300-600 BC“. The Oxford Illustrated Prehistory of Europe, hrsg. v. Barry Cunliffe. Oxford/New York: Oxford University Press: 304-335
Gimbutas, Marija (1994): Das Ende Alteuropas: der Einfall von Steppennomaden aus Südrussland und die Indogermanisierung Mitteleuropas (Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft, Sonderheft 90). Innsbruck: Institut für Sprachwissenschaft der Universität Innsbruck
Berresford Ellis, Peter (2003): A Brief History of the Celts. London: Robinson
Rankin, David (1996): Celts and the Classical World. London/New York: Routledge

Datum: Donnerstag, 3. August 2017 8:00
Themengebiet: Archäologie, FGK, FGK-Blogroll, Geschichte, Infofelder, Mouches volantes, Naturphänomene, Para-Phänomene, Spirituelles, Tausin Trackback: Trackback-URL
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