Mouches volantes im alten Europa (4)

Teil 3: Die Kelten von Floco Tausin

4) Kurvenlinien und Schlangen

Wie die punktierten Kreise, könnten auch die häufigen Spiral- und S-Muster in der keltischen Kunst eine visionär-entoptische Grundlage haben. Kurvenlinien und Spiralen gehören zu den verbreiteten Motiven der visionären schamanischen Kunst und wurden in diesem Zusammenhang beispielsweise für Gravuren der megalithischen Ganggräber in Irland geltend gemacht (Dronfield 1995). Möglicherweise haben sich die entsprechenden Motive der keltischen Kunst in Westeuropa aus solchen früheren Motiven entwickelt.
Schild und Schwert

Punktierte oder konzentrische Kreise sind oft in kurvilineare Ornamente eingefügt, basierend auf S-, Leier- und Spiralmotiven. So etwa auf Schilden und Schwertern, die keltischen Kriegern ins Grab gegeben oder als Votivgaben in Gewässern versenkt wurden, sowie auf Halsringen, Brustplatten oder Zierscheiben, die nicht nur Zierde waren, sondern auch Schutz vor Geistern bieten sollten.Von links: Keltische Gold- und Bronze-Scheibe aus Auvers-sur-Oise, Frankreich, ca. 4. Jh. v. Chr.; Mittelteil des Schildbuckels des Battersea-Schilds aus der Themse, England, 4.-1. Jh. v. Chr.; gravierte Schwertscheiden aus Irland, 2./1. Jh. v. Chr. Quellen: wikimedia.org (18.8.16); wikimedia.org (23.8.16); Harding 2007.

Aus dem schamanisch-visionären Kontext ist außerdem die enge Verbindung der entoptischen Linien und Spiralen mit der Schlange bekannt (vgl. Tausin 2015). Dies könnte auch bei den Kelten eine Rolle gespielt haben. Von all den Tieren, die durch die Spiral-, S- und Knoten-Muster in stilisierter Weise dargestellt wurden, ist die Schlange das einfachste und nahe liegendste. Als keltisches Symbol für die Unterwelt und den Tod, für Wasser, Wellenbewegung, Fruchtbarkeit, Heilung und Erneuerung; als Begleiterin von Fruchtbarkeits-, Heil- oder Muttergöttinnen wie etwa Sirona, die Göttin der Heilung; sowie als Hüterin des Lebensbaumes und der Brücke zwischen der Unterwelt, der Menschenwelt und der Himmelswelt ist die Schlange wiederum mit mehreren schamanischen Themen assoziiert (vgl. Green 1992). So ist denkbar, dass die S- und Spiral-Motive in der keltischen Kunst direkt oder über das Symbol der Schlange vom Sehen der Leuchtfäden oder „Schlangenlinien“ in der Leuchtstruktur zeugen.

::Der AutorFloco Tausin


::Inhaltsverzeichnis

::Teil 1 – Einleitung
::Teil 2 – Die Kultur der Kelten
::Teil 3 – Gestirne, Götter, Schlangeneier
::Teil 4 – Kurvenlinien und Schlangen
::Teil 5 – Keltische Köpfe
::Teil 6 – Kessel, Räder und Sonnenwagen (1)
::Teil 7 – Kessel, Räder und Sonnenwagen (2)
::Teil 8 – Druiden als Schamanen, Ekstatiker und Seher


::Literatur

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Dronfield, J. (1995): „Subjective Vision and the Source of Irish Megalithic Art“. Antiquity 69: 539-549
Harding, Dennis W. (2007): The Archaeology of Celtic Art. Oxon/New York: Routledge
Tausin, Floco (2015): „Leuchtende Essenz – Mouches volantes in der alten mesoamerikanischen Kunst“. Ganzheitlich Sehen 1. mouches-volantes.com (2.9.16)
Green, Miranda (1992): Animals in Celtic Life and Myth. London: Routledge

Datum: Montag, 7. August 2017 8:00
Themengebiet: Archäologie, FGK, FGK-Blogroll, Geschichte, Infofelder, Mouches volantes, Naturphänomene, Para-Phänomene, Spirituelles, Tausin Trackback: Trackback-URL
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