Mouches volantes im alten Europa (5)

Teil 3: Die Kelten von Floco Tausin

5) Keltische Köpfe

Der menschliche Kopf hatte für die Kelten eine starke symbolische Bedeutung. Als Gefäß für die Seele und die Persönlichkeit des Menschen war er der wichtigste Teil des Körpers. Die Köpfe von Feinden und Freunden wurden nach dem Ableben vom Körper getrennt und bei Eingängen von Zitadellen und Heiligtümern zur Schau gestellt. Die Kelten opferten abgetrennte Köpfe auch den Göttern, indem sie sie bei Quellen und Brunnen niederlegten. Die Köpfe besonders mächtiger Feinde wurden einbalsamiert und aufbewahrt. In manchen Mythen waren die Köpfe verstorbener Helden Teil von dieser wie der nächsten Welt und konnten selbst nach ihrer Trennung vom Rumpf noch sprechen, singen und weissagen (Monaghan 2004).
Punktkopfmenschen
Wesen mit punktierten Kreisen als Kopf. Im Bild: Szene auf einer dekorierten Bronzeliege des Hallstatt-Fürstengrabes in Hochdorf, Deutschland, 6. Jh. v. Chr.; stilisierte Figuren auf diversen keltischen Gefässen aus Sopron, Ungarn. Hallstatt-Kultur, ca. 7. Jh. v. Chr. Quellen: Aldhouse-Green 2004; Harding 2007.

Die Darstellung von Köpfen im keltischen Kunsthandwerk reicht von stilisierten und gegenüber dem Körper stark vergrößerten und betonten Köpfen, bis hin zu vollkommen abstrakten Formen wie dem punktierten Kreis. Da die Abstraktion in der Kunst vermutlich bewusst genutzt wurde, um das Übernatürliche und Übermenschliche darzustellen (vgl. Green 2004), sind die hier gezeigten Figuren womöglich Göttinnen, Ahnen oder andere Andersweltwesen. Aus visionär-schamanischer Sicht könnten menschliche Figuren mit punktiertem Kreis als Kopf den wissenden Seher oder auch die Identität von Mensch und Leuchtkugel bedeuten. Einen Hinweis darauf gibt das ältere Motiv der konzentrischen Kreisform mit Zugang, welches in der europäischen Jungsteinzeit und Bronzezeit auf zahlreiche Felsen graviert wurde.
Punktkopfmenschen_Felsbild
Menschliche Figuren mit konzentrischem Kreis als Kopf: Steinzeitliche und bronzezeitliche Felsbilder in der Interpretation des Prähistorikers und Begründers der Erforschung von Felsbildern Henri Breuil (1877-1961). Quelle: Breuil 1934.

Nach der Deutung mancher Forscher handelt es sich hier um die Darstellung eines Menschen. Gleichzeitig ähnelt sie dem Grundriss vieler damaliger Megalithbauwerke, deren Kern-Umkreis-Zugangsstruktur das Eingehen eines Sehers in die letzte Kugel der Leuchtstruktur symbolisiert haben könnten (vgl. Tausin 2016). Womöglich wurde diese Figur, wie auch ihre Symbolik, durch die Jahrtausende überliefert und lebte nicht nur in den keltischen Figuren mit punktiertem Kreis als Kopf fort, sondern auch in der römischen und christlichen Darstellung von Menschen oder Göttern mit Nimbus bzw. Heiligenschein.

::Der AutorFloco Tausin


::Inhaltsverzeichnis

::Teil 1 – Einleitung
::Teil 2 – Die Kultur der Kelten
::Teil 3 – Gestirne, Götter, Schlangeneier
::Teil 4 – Kurvenlinien und Schlangen
::Teil 5 – Keltische Köpfe
::Teil 6 – Kessel, Räder und Sonnenwagen (1)
::Teil 7 – Kessel, Räder und Sonnenwagen (2)
::Teil 8 – Druiden als Schamanen, Ekstatiker und Seher


::Literatur

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Monaghan, Patricia (2004): The Encyclopedia of Celtic Mythology and Folklore. New York: Facts On File, Inc.
Aldhouse-Green, Miranda (2004): An Archaeology of Images. Iconology and Cosmology in Iron Age and Roman Europe. New York: Routledge
Harding, Dennis W. (2007): The Archaeology of Celtic Art. Oxon/New York: Routledge
Green, Miranda (2004): Symbol & Image in Celtic Religious Art (1. Aufl. 1989). London/New York: Routledge
Breuil, Henri (1934): „Presidential address“. Proceedings of the Prehistoric Society of East Anglia 7: 289-322
Tausin, Floco (2016): „Mouches volantes im alten Europa. Teil 1: Die Leuchstruktur als Grundlage megalithischer Bauwerke“. Ganzheitlich Sehen 1. www.mouches-volantes (2.9.16)

Datum: Mittwoch, 9. August 2017 8:00
Themengebiet: Archäologie, FGK, FGK-Blogroll, Geschichte, Infofelder, Mouches volantes, Naturphänomene, Spirituelles, Tausin Trackback: Trackback-URL
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