SMNC – Bericht von einer Tagung (5/7)

Scientific Medical Network Conference, BEYOND THE BRAIN
28.-29. 10. 2017, Regent´s Park University, London

Zur Einführung: Das Scientific Medical Network (SMN) ist eine internationale Vereinigung von Wissenschaftlern, die sich einem spirituellen Grundkonzept verpflichtet fühlen. Sie bemühen sich, dieses in den Wissenschaftsgeist unserer Zeit einfliessen zu lassen. Das SMN wurde vor rund 45 Jahren gegründet, als die in jenen Tagen übliche, alles auf die Materie reduzierende Wissenschaftsauffassung durch erste Erlebnissen mit LSD und Tiefenmeditation aufgebrochen wurde. In ihren Anfangsjahren war das SMN sozusagen eine Geheimgesellschaft, denn damals in den 1970er Jahren durfte kein Wissenschaftler the S word (Spirituality) in den Mund nehmen, ohne um seinen Ruf zu fürchten.

Prof. Dr. Stuart Hameroff, Anästhesiologe, University of Arizona

Trotz des vielversprechenden Titels seines Vortrags, „Is Consciousness Guiding The Universe?“ verblieb die Präsentation Hameroffs in dem oben bereits angedeuteten Rahmen: es gibt ein Bewusstsein, das in quantenphysikalischer Form irgendwie einfach da ist und sich uns mitteilt. Die Erkenntnis, wie dies geschieht, ist der jahrzehntelangen Forschung Hameroffs zu verdanken. Er hat bewiesen – und mit elektronenmikroskopischen Aufnahmen veranschaulicht -, dass es in Organismen sogenannte microtubuli gibt, durch welche das Bewusstsein in Form physikalischer Energiequanten in den Organismus hinein rieselt.

Der Begnff microtubuli leitet sich ab von lat. tubus, Rohr, bzw. tubulus, Röhrchen. Die Übersetzung für microtubuli wäre somit „Kleinströhrchen“. Im menschlichen Organismus sind solche microtubuli in der Gehirnrinde zu finden, doch gibt es sie auch bei den Pantoffeltierchen. Diese verfügen als bloße Einzeller über kein Gehirn; ihr ganzer Körper besteht aus einer einzigen Zelle. Trotzdem schwimmen sie in der sie umgebenden Flüssigkeit zielorientiert umher, weichen Feinden aus, wählen die für sie angenehme Umgebungstemperatur und suchen Fortpflanzungspartner. Zur Erklärung dieses intelligenten Verhaltens hat Hameroff nachgewiesen, dass die den Zellleib umgebenden Härchen der Pantoffeltierchen nicht nur als Fortbewegungsmittel (Paddel), sondern auch als Antenne dienen. Diese Hunderte von Antennenhärchen sind nichts anderes als microtubuli, durch welche consciousness in den Einzeller hineinsickert.

ln seiner Rede koppelte Hameroff wiederholt die Begriffe consciousness, „physikalische Energiequanten“ und „Universum“. Aus dem physikalischen Universum sickerten diese Quanten durch die microtubuli ins menschliche Gehirn. Auf dieses sein Grundmodell sprach ich Hameroff in der Pause über eine Tasse Tee hinweg an: Das Vorhandensein von consciousness sei an das physikalische Universum gebunden – hätte ich das richtig verstanden? Was bedeuten würde, dass es ohne physikalisches Universum kein consciousness geben könnte, richtig? Dem stimmte er ohne Zögern zu.

Hinzugefügt sei, dass ich Hameroff die gleiche Frage schon einmal öffentlich im Forum gestellt hatte, und zwar 1995 bei der ersten Beyond the Brain Conference, als ich erstmalig von seiner Forschung hörte. Seine Antwort war damals die gleiche wie jetzt: consciousness ohne Gehirn, frei schwebendes Bewusstsein im Nichts, das gäbe es nicht, das sei undenkbar- und in der Tat ist das Nichts, die völlige, absolute Leere, in der Physik undenkbar.

Im Anschluss an Hameroffs Rede sprach der vormalige Vorsitzende des SMN, Prof. Bernard Carr, Physiker. lobende Worte, meldete aber auch zarte Kritik da hingehend an, dass er als Physiker die Ausführungen eines Nicht-Physikers – Hameroff ist Mediziner – nicht in allen Punkten gut heißen könne. So sei das
quantenphysikalische Modell hinsichtlich der Frage nach der Natur des Bewusstseins beileibe nicht der Weisheit letzter Schluss; es sei bestenfalls die gegenwärtig weitreichendste Form der Erklärung für diese zentrale Menschheitsfrage.

Carr bekennt sich offen zum Buddhismus und ist – als Physiker! – Vorsitzender des britischen Center for Consciousness Studies, in dem sich führende Wissenschaftler aus aller Welt begegnen. Als wir nebeneinander vor der Kaffeemaschine standen, fragte ich ihn, ob es nicht zur Entwicklung eines adäquaten theoretischen Modells jenseits der Quantenphysik nützlich sei, wenn die entsprechenden Theoretiker einer spirituelle Erfahrung teilhaftig würden, die ihnen eine abschließende Antwort zum Thema Bewusstsein bescherte. Aus dieser Gewissheit heraus könnten sie anschließend auf wissenschaftlicher Ebene Wetterklärungsmodelle basteln und pragmatisch anwenden. Carr meinte dazu, da sei er ganz dafür, doch glaube er nicht, dass es ihm in diesem Leben noch beschieden sei, eine Erleuchtung zu erlangen, da könne er sich Mühe geben, wie er wolle, und zudem werde das Thema Erleuchtung von unterschiedlichen buddhistischen Schulen dermaßen unterschiedlich behandelt, dass man sich letztlich nicht auskennt. Da würde er eben weiterhin als theoretischer Physiker denken.

Zu Hameroffs Vortrag sei noch eine spannende Beobachtung nachgetragen, die er im Zusammenhang mit der Nahtod-Forschung erwähnte: Normalerweise zeige ein EEG nach erfolgtem Herzstillstand eine Null-Linie (flat line), jedoch ließe sich häufig beobachten, dass sie nach (!) eingetretenem Hirnversagen wieder nach oben schösse und für ungefähr 10 Sekunden auf dem Niveau höchster bewusster Wachheit verbliebe. Danach fiele sie wieder auf Null ab. Hameroff sieht dann einen Beweis für die Beeinflussung des Gehirns von außen zu einem Zeitpunkt, wo es zwar tot ist, aber physiologisch noch aufnahmefähig genug für eine solche Beeinflussung. Anders ausgedrückt, das Bewusstsein fährt fort, in das Gehirn einzusickern – und zwar auf höchster Stufe! -, auch nachdem der Körper tot ist (Auch hier wird die Frage nicht gestellt, welche bzw. wessen Absicht hier wohl am Einwirken sei.)

Copyright bei Rolf-Ulrich Kramer / rolf-ulrich.kramer@mindwalking.de


::Inhaltsverzeichnis

::Teil 1 – Dr. Rupert Sheldrake, Biologe
::Teil 2 – Prof. Dr. Chris Roe, Parapsychologie
::Teil 3 – Dr. Cassandra Vieten, Psychologie
::Teil 4 – Prof. Dr. Dean Radin, Chief Scientist (Forschungsleiter)
::Teil 5 – Prof. Dr. Stuart Hameroff, Anästhesiologe
::Teil 6 – Dr. Diane Corcoran, Medizin
::Teil 7 – Dr. Penny Sartori, Pflegerin

Datum: Montag, 27. November 2017 9:00
Themengebiet: FGK, FGK-Blogroll, Hören + Sehen, Infofelder, Kramer, MindWalking, Para-Phänomene, Psychologie, Reinkarnation, Spirituelles, Veranstaltungen Trackback: Trackback-URL
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