Die Sperr- und Rauhnächte

Sperr_Rauhnaechte

Die Rauhnächte sind recht bekannt, kennst Du aber auch die Sperrnächte? Nein? Dann lasse mich ein wenig darüber berichten, wenn Du erlaubst.

Die Sperrnächte
Früher wurde vor der Wintersonnenwende alles gesichert. Die Geräte in der Landwirtschaft wurden winterfest gemacht, die Arbeitsräume verschlossen und verriegelt, da sie bis zum Frühling nicht mehr genutzt wurden. Zudem wurde alles vor den umher geisternden Wesenheiten geschützt, vor allem die Vorräte für die langen kalten, harten Winter, in denen man in früheren Zeiten oft um sein Leben und Überleben bangen musste.
Auch innerlich, also seelisch, wurde einiges weg gesperrt. Oft handelt es sich dabei um problematisches, was im inzwischen fast vergangenen Jahr nicht so gut gelaufen war und von dem man sich innerlich trennen wollte.
Die Sperrnächte bilden also das Gegenstück zu den Rauhnächten. Man notierte sich vom 8.-20.12. jeden Abend nach Einbruch der Dunkelheit Dinge auf einem Stück Papier, die man wegschließen wollte, bevor das neue Jahr Einzug hält.

Die Tage werden in dazu gehörende Monate unterteilt:
Vom 8. auf den 09.12. entspricht es dem Monat Januar, vom 9. auf den 10.12. dem Monat Februar usw. und vom 19. auf den 20.12. letztendlich dem Monat Dezember.
Diese einzelnen Zettelchen wurden in einem Beutel aufbewahrt, um dann am 5. Januar dem großen Perchtenfeuer zur Transformation übergeben zu werden. Auch heute noch wird dieser alten Tradition von spirituellen Menschen gefolgt.

Die Rauhnächte
Die Anzahl der Tage und Nächte geht hier inzwischen sehr weit auseinander, ebenso, an welchem Tag begonnen wird und wann die Rauhnächte enden. Hier empfehle ich immer, in sich hinein zu spüren, was für einen selbst das Beste ist, so, dass man sich auch wohl fühlt mit dem, was man tut. Man weiß zudem nicht, was man in früheren Leben durchgemacht hat und welchem energetischen Stamm man entspringt usw.. Unsere früheren Kulturen spielen in dieses aktuelle Leben mit hinein. In früheren Zeiten hätten da Indianer sicherlich ein Problem mit den Rauhnächten gehabt, ein Germane sich möglicherweise aber sofort zu Hause gefühlt.

Viele Menschen beginnen am 21.12. mit ersten Ritualen und Vorbereitungen für die Rauhnächte. Man kann z.B. in der Nacht der Wintersonnenwende, der längsten Nacht und dem kürzesten Tag des Jahres Dankesrituale durchführen, dieses besondere Datum nutzen, um für die Rauhnächte 13 Wünsche aufzuschreiben, Herzenswünsche für das kommende Jahr. Auch diese 13 Papierstücke werden in einen separaten Stoffbeutel getan. Bitte nicht in den gleichen wie die Sperrpapiere geben!
Der 21.12. wird ebenso gerne genutzt, um ein Heft für die Eintragungen der Rauhnächte vorzubereiten. Andere nutzen hierfür jedoch auch schon die Zeit zu Samhain oder den Vollmond, der Samhain am nächsten ist (um den 31.10. herum), da auch hier der Schleier zur Anderswelt sehr dünn ist.

Die Rauhnächte bestehen aus elf Tagen und 12 Nächten. Sie befinden sich „außerhalb“ der Zeit und sind ein magischer und mystischer Zeitraum. Die erste Rauhnacht findet bei einigen Menschen vom 24.12. auf den 25.12. statt, die meisten beginnen jedoch vom 25. auf den 26.12. und feiern stattdessen am 24.12. die heilige Nacht. Auch in der heiligen Nacht kann man sehr wirksame Dankesrituale durchführen.
In dieser ersten Rauhnacht wird der erste Wunschzettel verbrannt. Die Asche kann man hinterher Mutter Erde zuführen. Während des Verbrennens kann man sich vorstellen, wie die Wünsche durch den Rauch zur Erfüllung in das Universum getragen werden, wenn der Wunsch gut und richtig ist.

In den Rauhnächten steht beim Verbrennen der Papiere jede Nacht auch hier für einen Folgemonat:
Vom 25.12. auf den 26.12. entspricht es dem Monat Januar, vom 26.12. auf den 27.12. dem Monat Februar, vom 27.12. auf den 28.12. dem Monat März, vom 28.12. auf den 29.12. dem Monat April, vom 29.12. auf den 30.12. dem Monat Mai, vom 30.12. auf den 31.12. dem Monat Juni, vom 31.12. auf den 01.01. dem Monat Juli, vom 01.01. auf den 02.01. dem Monat August, vom 02.01. auf den 03.01. dem Monat September, vom 03.01. auf den 04.01. dem Monat Oktober, vom 04.01. auf den 05.01. dem Monat November und vom 05.01. auf den 06.01. dem Monat Dezember. Ein Stück Papier mit einem Wunsch bleibt schließlich für die letzte Nacht übrig. Hier sollte man selbst dafür sorgen, dass sich dieser Wunsch erfüllen darf.

Hier folgt nun eine Aufzählung, wie man sein eigenes Heft, die Abfolge für die Rauhnächte gestalten könnte:
Viele Menschen nutzen einen bestimmten Platz im Haus, um in die Ruhe zu kommen. Einige verfügen sogar über einen Altar, den man mit Gegenständen schmücken kann, die einem persönlich wichtig sind. Kerzen, Edelsteine, Pendel, Federn, Bilder der Ahnen, das Rauhnacht-Heft, Stift, Schutzsymbole, Hölzer usw..
An den Rauhtagen bietet es sich an, möglichst viel in der Natur zu sein, um evtl. jeden Tag seinen persönlichen Kraftort zu besuchen. Hier sollte man auf die Zeichen von Mutter Natur achten und sie im Rauhnacht-Heft notieren. Gibt es da besondere oder interessante Begegnungen?
Auch die Träume sollten gleich vor dem Aufstehen notiert werden, solange man noch im Bett liegt, da sie dann noch präsent sind. Wenn Du nachts aufwachst, schreibe auch hier die Uhrzeit auf, es könnte ein Hinweis sein. Auch die Nachtstunden sind unterteilt in Monate, hier sollte man jedoch nach seinem eigenen Schlafrhythmus gehen, um die Monate unterteilen zu können.

Rückschau halten: Müssen noch Dinge erledigt werden, damit man vermeidet sie ins das Folgejahr zu übertragen? Hierzu zählen z.B. Schulden bezahlen, Vorräte anschaffen, Streit beenden, Wäsche waschen, Fenster putzen usw..

Bilanz ziehen: Hier sollte man Rückschau halten auf die Vergangenheit, die guten, traurigen und auch die schlimmen Momente. Auch schwierige Umstände sollten wir hier annehmen und nicht verdrängen, da es sich um wichtige Lernaufgaben handeln kann, damit wir in unserem Lebensplan fortsetzen können. Nicht jede schlechte Erfahrung ist „böse“, sondern wir spüren teilweise Jahre später, dass es so kommen musste und das Allerbeste war, was uns passieren konnte. Die „Schicksalsschläge“ bringen uns am meisten und schnellsten weiter in unserem Leben.

Wo stehe ich jetzt? Wer bin ich? Wo bin ich? Bin ich glücklich? Was hat mich geprägt? Wie gehe ich mit meinem Umfeld um? Wie das Umfeld mit mir? Kann und möchte ich etwas verändern, damit ich glücklich bin und mich entfalten kann, in meine innere Mitte komme? Fehlt mir etwas? Kann ich etwas verwandeln? Muss ich etwas oder jemanden loslassen? Hindert mich etwas oder jemand im Leben am Weiterkommen? Behindere ich evtl. sogar selbst jemanden am Vorankommen durch mein eigenes Ich?

Ein Ritual zum Abschluss: Hier kann man z.B. das Räuchern mit der Klangschale ausschwingen lassen oder so arbeiten, wie man es auch sonst bei der eigenen energetischen Arbeit handhabt. Vor der ersten Rauhnacht sollte man im übrigen das ganze Haus im Uhrzeigersinn räuchern, in jedem Winkel und nach Eingebung auch vor jeder weiteren Rauhnacht, damit jeder Monat des Folgejahres dadurch gereinigt und gewissermaßen geschützt ist.

Meditation: Gehe in die Ruhe und lasse die Gedanken auf Dich zukommen, die gut und richtig sind, und Deine Lösungen bereit halten. Sehr gut kann es funktionieren, wenn die Räucherung noch wirkt und der Rauch gut von einer Ebene zur anderen transportiert wird.

Visualisieren: Stelle Dir Dinge vor, die gut und richtig sind und nicht dem Willen anderer Personen schaden oder negativ beeinflussen. Dann können sie in dieser Zeit evtl. schneller erfüllt werden als sonst. Denke immer daran mit Deinen Gedanken auf der lichten Seite zu bleiben, sonst könnte es zu Dir im Unguten zurück kommen.

Affirmation: Notiere Dir Details auf einem Stück Papier, die Du Dir vornimmst oder wünschst, z.B.: „Ich bin mutig genug, für mich selbst einzustehen“, „Ich bin stark“, „Ich beginne nun damit, glücklich zu sein“ usw. Dieses Stück Papier kannst Du Dir vor dem Schlafen gehen durchlesen und ggf. unter Dein Kopfkissen legen. Morgens kann man dieses Papier in ein Glas hineingeben, dass Du neben das Bett gestellt hast. Diese Zettel kannst Du nach den Rauhnächten verbrennen oder vergraben.

Ahnen: Lade Deine Ahnen zu Dir ein, denn sie sind ein Teil von Dir und Du ein Teil von ihnen. Frage sie um Rat. Decke für sie am Essenstisch mit ein. Man kann während der Rauhnächte auch wunderbar orakeln, um zu schauen, was einem im nächsten Jahr erwartet. Hier kann man z.B. ein Kartenset nach Wahl nutzen oder auch mehrere zur Verfeinerung.

Zeichen: Achte auf ungewöhnliches, Dinge, die Dir im Gedächtnis bleiben. Ein merkwürdiger Satz einer Person, ein Tier, was den Weg kreuzt, Dinge, Gegenstände, „Zufälle“.

Achtsamkeit: Sei bedächtig, achtsam und umsichtig in den Rauhnächten, da Du hier die Zukunft und das Glück schmiedest für Dein kommendes Jahr. Gehe achtsam mit Dir, den Mitmenschen und der Umwelt um.

Man kann den Eintrag im Heft für den ersten Rauhtag und die erste Rauhnacht des Heftes z.B. so gestalten indem man für jeden Tag und jede Nacht die Antworten der Themen aus dem zuvor Geschriebenen zusätzlich einträgt.
z.B.: Rauhnacht 1, vom 25. auf den 26.12. – passierte etwas zwischen 15-17 Uhr, 17-19 Uhr usw.?
Plane für jede Rauhnacht und jeden Rauhtag einige Seiten ein für Deine Eintragungen.
Sehr wichtig sind auch die Emotionen und Gefühle während dieser Zeit. Wie hast Du Dich gefühlt beim Karte ziehen? Wie beim Aufwachen?
Bei den Dankesritualen könnte man in sich hinein spüren, wer im vergangenen Jahr für einen präsent war, wer einem bei Notfällen oder schwierigen Situationen zur Seite stand. Wer hat geholfen? Wer stand an Deiner Seite in welcher Situation? Wer ist aus Deinem Leben gegangen? Wer kam neu in Dein Leben?
Um die Zeit des 6.1. herum geschehen übrigens vermehrt sogenannte „Heilungen und Wunder“. Hier empfehlen sich also besonders Wunschrituale und Bitten bzw. Beten.
Ich wünsche Euch wundervolle Rauhnächte!

Euer Sven Hierden

Datum: Sonntag, 24. Dezember 2017 19:30
Themengebiet: Brauchtum, FGK, FGK-Blogroll, Geschichte, Hierden, Spirituelles Trackback: Trackback-URL
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