Dolmengöttin + Warte von Langeneichstädt

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Am Rande der Querfurter Platte unweit von Halle/Saale ragt auf 204,5 m Höhe über NN und ca. 1,5 km nördlich der Ortschaft Langeneichstädt, ein Turm weithin sichtbar ins Land hinaus.
wappen_langeneichstaedt.pngDieser Turm, die „Eichstädter Warte“, ist das Wahrzeichen Langeneichstädts und findet sich auch im Wappenbild des Ortes wieder. Auf dem Gelände neben dem mittelalterlichen Wachturm befinden sich ein Steinkammergrab und ein Menhir, der den Namen „Dolmengöttin“ erhielt.
himmelswege.jpgAlles zusammen stellt ein eindrucksvolles Denkmalensemble dar und ist seit kurzem auch Bestandteil der Touristikroute „Himmelswege“ mit Nebra, dem Fundort der Himmelscheibe, dem Besucherzentrum „Arche Nebra“, dem Sonnenobservatorium in Goseck und dem Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle mit den Originalen (Himmelsscheibe und Dolmengöttin und weitere Funden) Alles zusammen bildet zwischen Querfurt, Naumburg und Halle fast ein Dreieck in der bezaubernden Landschaft an der Saale.
Die Eichstädter Warte
turm.jpgDer mittelalterliche Wachtturm hat am Fuß einen Umfang von 23 m und an der Spitze von 15,7 m. Einen Eingang sucht man jedoch vergebens, den Zugang findet man an der Südseite in einer Höhe von 7,5 m. Kalkstein und ein wenig Sandstein wurden hier als Baumaterialien verwendet. Ein erster Wachturmbau wurde vermutlich bereits an gleicher Stelle um 950 n. Chr. unter Heinrich I errichtet. Bei neueren Untersuchungen von Holzbalkenresten wurde für die Warte das Baujahr um 1483 in ihrer heutigen Form festgesetzt. Möglicherweise wurde sie auch als Signal- oder Feuerturm genutzt, um sich über länger Strecken mitzuteilen.
Die Warte wird bis zum heutigen Tage eng ins Gemeindeleben von Langeneichstädt mit einbezogen und vor allem von Vereinen und Institutionen benutzt. So erfolgt z.B. jedes Jahr zu Pfingsten das sog. „Maienstecken“. An diesem Pfingstsonntag zum „Wartefest“ und am Tag des offenen Denkmals im September, ermöglicht der „Warteverein“ Besuchern das Besteigen des Turms. Von hier aus hat man einen weiten Blick nach Halle, Merseburg und Querfurt. Bei guten Wetterverhältnissen kann man manchmal auch den Kyffhäuser oder das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig erkennen. Außerhalb der beiden Termine sind Besichtigungen und Führungen der Warte nach Voranmeldung beim Warteverein e.V. Langeneichstätt möglich.
Das Steinkammergrab
dsc05849.jpgIm Frühjahr 1987 wurde bei Feldarbeiten unmittelbar neben der Eichstädter Warte der Deckstein einer Grabkammer angepflügt. Bei nachfolgenden Ausgrabungen legte man eine jungsteinzeitliche Grabanlage aus Sandstein- und Muschelkalkplatten von 5,3 m Länge x 1,9 m Breite x 1,7 m Höhe frei. Die Grabanlage ist in ihrer ursprünglichen Lage erhalten und kann so an ihrem originalen Fundplatz besichtigt werden. Das Alter für das Steinkammergrab ist für archäologische Begriffe durch Funde der Salzmünder Kultur (2900-2500 v. Chr.) und Bernburger Kultur (2800-2300 v. Chr.) recht eng zu bestimmen und mit ca. 4500 Jahren durch eine C14-Wert (Radio-Karbon-Methode) bestätigt.
Der Menhir „Dolmengöttin“
dsc05861.jpgBeim Abheben der Deckplatten des Steinkammergrabes wurde ein in seiner Art einmaliger kleiner Menhir geborgen. Die 1,76 m lange Stele ist aus hellgraugelbem Sandstein. Der Menhir ist älter als das Steinkammergrab, denn er wurde dort in Zweitverwendung als Deckplatte benutzt. Das Oberteil hat eine ovale Form, ist geglättet und mit zahlreichen Ritzungen versehen. Deutlich erkennt man ein Oval mit drei Querstrichen und zwei Augen als stark stilisiertes Bild einer weiblichen Gottheit, der sog. „Dolmengöttin“.
dsc05859.jpgdsc05853.jpgDarunter ist ein Art Axtmotiv als Statussymbol des Mannes eingeritzt. Die Stele selbst ist wie ein Phallus ausgearbeitet. Sie stellt möglicherweise die Jenseitsvorstellungen der Menschen der damaligen Zeit dar. An beiden Seiten sind im mittleren Teil deutliche Glättspuren zu erkennen, die auf häufiges Berühren bei rituellen und kultischen Handlungen zurückgeführt werden, wie es Wissenschaftler feststellten. Das in der Erde befindliche Fußende des Menhirs ist nur grob zugehauen. Bei der „Dolmengöttin“ von Langeneichstädt handelt es sich allerdings nur um eine Kopie des Originals. Das befindet sich im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle.
Fotos: Frank Peters© 31.8.2008 – Grenzwissenschaftlichen Exkursion des GWT Bremen und der FGK nach Langeneichstädt und Nebra.

„Eichstädter Warte“ mit Steinkammergrab und Menhir „Dolmengöttin“

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Datum: Montag, 23. März 2009 20:54
Themengebiet: FGK, FGK-Blogroll, Peters Trackback: Trackback-URL
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Ein Kommentar

  1. 1

    Ich war im Frühjahr 1992 an der Warte. Meine Familie stammt aus Schafstädt. Ich habe hier noch ein Bild von dem Kunstmaler Karl Schindler, der im ersten Weltkrieg gefallen ist und ein entfernter Verwandter von mir ist.
    Ich lebe seit ungef. 65 Jahren in Köln. Es ist erschreckend wie wenig die Menschen hier von dem „Kernreich Deutschland“ wissen.

    Gottfried Berger

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