Russische Rakete explodiert über Norwegen

Eine unglaubliche Szene, die den Himmel in Nord-Norwegen am 9. Dezember für einige Momente erhellte. Ein UFO, ein Nordlicht oder eine Rakete aus Russland?

Viele Norweger blickten am Mittwochabend voller Verwunderung in den Sternenhimmel als sie diese merkwürdige Erscheinung sahen. Viele Theorien wurden gleich im Internet diskutiert, manche glaubten es sei eine verirrte Rakete der Russen, andere an ein Schwarzes Loch oder an eine Botschaft von Ausserirdischen. Spekulationen um einen UFO-Absturz oder einen Meteor erreichten in verschiedenen Internetforen im wahrsten Sinne bereits „grenzwertige“ Ergebnisse. Stammte das Objekt aus der US-Militärküche, dem High Frequency Active Auroral Research Programm, kurz „HAARP“, bei dem hochfrequente elektromagnetische Wellen in die Ionosphäre geschossen werden?

Nichts von alledem! Auf einer Radioamateur-Webseite wurde zuerst eine Küstenwarnung aus der russischen Stadt Archangelsk mit Koordinaten über den Flug einer Rakete empfangen. Erik Tandberg, Chef des norwegischen Space-Centers, war allerdings wie viele andere auch von dem Phänomen total begeistert. „So etwas habe ich noch nie gesehen.“ Er glaubte jedoch gleich, dass es sich um eine verirrte russische Rakete handeln könnte. Das russische Militär hatte allerdings zunächst dementiert. Später erst bestätigten die beiden russischen Zeitungen „Kommersant“ und „Wedomosti“ den Waffentest. Er verlief unter Berufung auf Verteidigungsinsider nicht nach Plan und bestätigte die Annahme Tandbergs.
typhoon.jpgDas U-Boot „Dmitrij Donskoj“ hatte im Weißen Meer eine Interkontinentalrakete vom Typ SS-N-30 „Bulawa“ abgefeuert. Die Rakete sei in der Luft explodiert – was dann letztendlich den mysteriösen Lichtblitz über Norwegen erklären dürfte. Die für den Einsatz an Bord von U-Booten konzipierte „Bulawa“ spielt eine zentrale Rolle bei der Modernisierung des alternden russischen Atomwaffenarsenals. Die neue Rakete ist auf eine Reichweite von 8000 Kilometern ausgelegt und kann zehn Atomsprengköpfe tragen. Sie ist die für den Seeeinsatz angepasste Version der neuen russischen Interkontinentalrakete vom Typ Topol-M und soll nach den Ankündigungen des russischen Militärs jedes Abwehrsystem überwinden können. Die bisherigen Tests des angeblichen Wundergeschosses waren für die Russen allerdings ziemlich blamabel. Der Versuch am Mittwoch war nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax schon der siebte Fehlschlag bei den bisherigen zwölf Tests. Das russische Verteidigungsministerium bestätigt offiziell, dass eine „Instabilität“ im Motor der dritten Stufe zum Versagen der Rakete führte.
Der russische Militärexperte Pavel Felgenhauer nennt den erneuten Misserfolg „wirklich peinlich“ und sieht die Glaubwürdigkeit von Russlands Arsenal an Abschreckungswaffen gefährdet: „Bis zum Jahr 2030 könnte Russland seine Stellung als globale Atommacht verlieren, wenn diese Probleme nicht gelöst werden.“ Die „Bulawa“-Rakete werde möglicherweise nie funktionieren. „Die russische Rüstungsindustrie ist so weit zerfallen, dass sie ein solch kompliziertes System einfach nicht mehr herstellen kann. Die Technologie und die Expertise sind verlorengegangen.“ Allerdings kann Felgenhauer dem erneuten Misserfolg auch etwas Gutes abgewinnen: „Die spektakulären Lichter am Himmel waren ein schönes Feuerwerk für die Norweger.“
Die norwegische Regierung hat in der Zwischenzeit eine Untersuchung des Vorgangs eingeleitet.

Datum: Freitag, 11. Dezember 2009 13:53
Themengebiet: FGK-Blogroll, Lichtphän./Orbs, Peters, Technologie Trackback: Trackback-URL
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