Meteorit über Gudensberg fotografiert

Gudensberg/Kassel – In den meisten Fällen lassen sich Leuchtspuren niedergegangener Meteorite nur durch systematische fotografische Himmelsbeobachtungen mittels automatischer Kamerastationen festhalten
211109_gudensberg_a.jpg… wenn es nicht auch hier Ausnahmen geben würde …
Original (links) vom 21.11.2009, 18.34 Uhr
Belichtungszeit 16 Sek., ISO 200, Blende 2,8

Am 21.11.2009 hielt sich Wolfgang Schöppe, FGK, nördlich von Gudensberg auf, um Stereo-Blitzlicht- und Langzeitbilder zu fotografieren. Er selbst hatte den Vorgang am Himmel nicht beobachtet. Ihm fiel die fast senkrechte Flugbahn eines Himmelskörpers erst beim späteren Betrachten seiner Digitalkamerabilder am heimischen PC auf. Der Himmel war zu der Zeit frei von Wolken und sternenklar, allerdings war es leicht dunstig. Um ein Flugzeug konnte es sich nicht gehandelt haben, denn dafür war der Neigungswinkel zu groß.

211109_gudensberg-_b.jpg
Bildausschnitt des Originals – zum Vergrößern bitte die Bilder anklicken!

Aus der Leuchtspur von Meteoriten lässt sich nicht nur ihre Umlaufbahn berechnen, sondern sie verraten auch ihre Herkunft. Die Farbe der Lichterscheinungen ist verschieden, meist wird weiß, aber auch grünlich, rötlich oder gelb angegeben. Sie ist ausserdem nicht an allen Stellen der Bahn die gleiche. Die Bahnen bekannter Meteorite aus den letzten 50 Jahren wie z.B. „Pribram“ (1959), „Lost City“ (1970) und „Innisfree“ (1977) zeigten eindeutig deren Herkunft im Asteroidengürtel. Der Bereich zwischen den Planeten Mars und Jupiter ist Heimat unzähliger Festkörper in unterschiedlichen Größenordnungen – vom Staubkorn bis hin zum kilometergroßen Planetoiden. Der größte bisher bekannte Planetoid ist Ceres mit einem Durchmesser von 1025 km.
lostcity.jpgBild links: Aufnahme der Leuchtspur des Meteoriten „Lost City“ durch eine automatische Station des Prairie-Network. Im Hintergrund sind die Spuren von Sternen zu sehen, die während der langen Belichtungszeit entstehen.
Nach heutigen Erkenntnissen sind Asteroide und ihre Vorgänger zusammengeballte Reste der planetaren Bausteine, aus denen bei der Bildung unseres Sonnensystems die großen Planeten entstanden. Wissenschaftler vermuten, dass Gravitationsstörungen, verursacht durch den Planeten Jupiter, die Bildung eines weiteren erdähnlichen Planeten verhinderten. Diese Gravitationsstörungen bewirken auch in Zukunft, dass Asteroide untereinander kollidieren werden, was zur Zertrümmerung einzelner führt. Dabei können Bruchstücke in unabhängige Bahnen gelenkt werden und anschließend als Meteorite auf einem planetaren Körper wie der Erde einschlagen. Eine endgültige Bestätigung des Himmelskörpers bei Gudensberg wird in Kürze von Kasseler Astronomen erwartet.

Datum: Dienstag, 15. Dezember 2009 23:13
Themengebiet: Astronomie, FGK-Blogroll, Peters, Schöppe Trackback: Trackback-URL
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Ein Kommentar

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