Reisetipps für Kornkreisfreunde / Teil 1/7

Wiedersehen nach 15 Jahren – Beitrag von Kurt Diedrich

Nachdem ich mich im Jahre 1995 zum letzten Mal in der Umgebung von Alton Barnes zwecks Erforschung der Kornkreise „herumtrieb“, beschlossen wir (meine Lebensgefährtin Ülle und ich) im Juni 2010 dem „Mekka der Wunder im Weizen“ (der Grafschaft Wiltshire), nach langer Zeit wieder einen Besuch abzustatten.
Um es vorweg zu nehmen: Hinsichtlich meiner Hoffnungen auf interessante Begegnungen mit Kornkreisforschern aus aller Welt und „ausgeflippten“ Einheimischen (so wie damals) war die Reise nicht allzu ergiebig. Auch unsere Erwartungen in Bezug auf nächtlich entstehende Kornkreise, deren noch vor Energie knisterndes Getreide beim Betreten am nächsten Morgen wie Glas unter unseren Füßen knirschen würde, wurden nicht oder zumindest nur zu einem geringen Teil erfüllt.
Umso mehr Zeit blieb uns, endlich einmal nachzuholen, was ich damals im „Kornkreisfieber“ versäumte: Der Besuch interessanter, historischer Orte und ausgiebige Spaziergänge in der landschaftlich schönen Umgebung. Außer etwa 400 Fotos konnten wir, dank des ausgesprochenen Glücks, das wir mit dem Wetter hatten, auch einen sonnengebräunten Teint und viele Reisetipps mit nach Hause bringen, die wir den Freunden der FGK nicht vorenthalten möchten.

Sonntag, 20.06.10: Anreise
Die Reise erfolgte, wie früher, mit dem PKW zunächst von Aachen Richtung Calais durch Holland, Belgien und Frankreich. Dank der gut ausgebauten Autobahnen benötigten wir für die etwa 350 Kilometer bis Calais gerade einmal drei Stunden (Tempolimit 120 km/h in Belgien).
Zum Glück braucht man, wenn man zu früh am Fährhafen in Calais ankommt, nicht auf die gebuchte Fähre zu warten, sondern kann das nächste Schiff nehmen, das den Hafen verlässt (wenn noch Plätze frei sind). Die Kosten für die Fähre betrugen für zwei Personen und einen PKW normaler Größe etwa 200.- Euro für die Hin- und Rückfahrt (Buchung im Reisebüro). Die Ticket- und Passkontrollen erfolgten schnell und reibungslos. Auch der deutsche Rentner scheint mittlerweile England entdeckt zu haben: Gruppen grauhaariger Menschen in rentnerbeige-farbenen Regenjacken, die schwäbisch, bayerisch, sächsisch, hessisch oder „kölsch“ sprachen, sind mir früher auf den Fähren nie aufgefallen.

Das „Navi“ hat (nicht) immer Recht
Die Gewöhnung an den Linksverkehr fiel mir etwas schwerer als vor 15 Jahren, aber nach einer halben Stunde hatten wir uns daran gewöhnt, gemächlich auf der „Überholspur“ der Autobahn über Reading und Hungerford in Richtung Marlborough zu zuckeln. Lassen Sie sich von Ihrem Navigationsgerät nicht verwirren, wenn es Ihnen rät, die Autobahn südwestlich von London kurz hinter Chertsey in Richtung Basingstoke zu verlassen: Es handelt sich um eine brauchbare Abkürzung, die Sie nach einigen Kilometern wieder auf die geplante Autobahn in Richtung Reading – Hungerford führt. Ignorieren Sie jedoch bei der Rückfahrt auf jeden Fall die Durchsagen Ihres Navigationsgerätes, wenn Sie sich Folkestone nähern: Die meisten Navis sind so programmiert, dass sie den Fahrer automatisch zum Tunnel leiten. Auch für Navi-Programmierer scheint wohl die Devise zu gelten: „Denken ist manchmal Glücksache“.

Unterkunft

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„The Old Forge“ in West Kennet

Durch die Zeitverschiebung hatten wir während der Reise eine Stunde gewonnen und trafen etwa gegen 6 PM Ortszeit in West Kennett in unserer gebuchten Pension ein. Eine wirklich schöne, gepflegte und gemütliche Unterkunft mit einem großen Zimmer und einem herrlichen Ausblick auf die Landschaft. Die Besitzer des „Old Forge“ sind sehr freundlich aber zurückhaltend und stets um das Wohlergehen der Gäste bemüht.
Der Preis von 80 britischen Pfund pro Übernachtung (das sind etwa 100 Euro) schmerzte zwar ein wenig und ist sicher nichts für knauserige Sparfüchse, aber wenn man sich erst einmal entschlossen hat, seinen Urlaub in England zu verbringen, sollte man sich damit abfinden, dass dort nun einmal alles teuerer ist als bei uns und dann einfach nicht mehr darüber nachdenken – oder die Reise wieder absagen. Schließlich fährt man nicht alle Tage in Urlaub, und wenn, dann soll’s auch ein bisschen nett und komfortabel sein. Die Zeiten schlapper Luftmatratzen in von der Morgensonne bereits überhitzten Campingzelten waren zwar romantisch, aber irgendwann ist es genug.
A propos überhitzt: Zur Unterkunft wäre noch zu sagen, dass das große Zimmer mit der Glas-Giebelfront zur Straße, in dem wir übernachteten, zwar, wie gesagt, wunderschön war, aber auch seine Nachteile hatte: Da sich das Zimmer direkt unter dem Dach befand und die Sonne während unseres Urlaubs sechs Tage lang erbarmungslos darauf „knallte“, stieg die Zimmertemperatur im Laufe der Woche auf etwa 30 Grad Celsius an. Das ist nicht besonders angenehm, wenn man bereits während des Aufenthaltes im Freien von der Sonne gegrillt wird und bei der Rückkehr in die Pension nach Abkühlung lechzt. Zum Glück gab es im Zimmer einen kleinen Kühlschrank zur Aufbewahrung von Getränken. Ein weiterer Wermutstropfen war der Lärm durch vorbeifahrende, ach, was sag’ ich: vorbei „rasende“ Autos, Lastwagen und Traktoren. In England werden auch kleine, schmale Dorfstraßen, die hierzulande zur Tempo-30-Spielstraße erklärt und mit Schwellen versehen würden, als Schnellstraße genutzt – und keiner der Einheimischen klagt darüber. Andere Länder, andere Sitten.

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„Stadtzentrum“ von West Kennet

Knapp Hill und „Barge“
Trotz anstrengender Fahrt ließ ich es mir nicht nehmen, meiner Begleiterin noch an diesem Abend den herrlichen Ausblick vom Knapp Hill (ca. vier km Luftlinie von der Pension entfernt) auf das East Field und die angrenzende Umgebung zu präsentieren. Ich konnte mich gar nicht mehr daran erinnern, dass der Aufstieg zum Knapp Hill so steil und anstrengend war (Notiz im Reisetagebuch: „Müsste mal wieder mehr Sport treiben – hechel“).
Die Mühe wurde belohnt: Der Anblick der Landschaft im Schein der untergehenden Sonne ist einfach überwältigend, auch ohne Kornkreisformation. War es Zufall oder waren es „Orbs“: Auf einem der dort gemachten Fotos sind deutlich zwei goldfarbene, nebelartige Flecke auf dem Gras zu erkennen, die wir mit bloßem Auge nicht wahrgenommen hatten und die uns auch im weiteren Verlaufe unseres Aufenthaltes in verschiedenen Variationen begegnen sollten.

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Die Hills neben dem Knapp Hill in der Abendsonne

Der Parkplatz am Knapp Hill war übrigens fast komplett mit schrill lackierten Wohnmobilen besetzt: Ein buntes Völkchen aus Hippies und New-Age-People, oder wie auch immer man sie nennen mag, die an den zahlreich in der Umgebung veranstalteten Sonnwendfeiern (solstice) am 21. Juni teilzunehmen gedachten. Angeblich soll es bis zu 30.000 Menschen zu diesem Anlass in die von prähistorischen Monumenten geprägte Gegend zwischen Stonehenge und Avebury gezogen haben.

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Unendliche „Weiden“: Das East Field mit dem Woodborough Hill im Hintergrund

Der Besuch im „Barge Inn“ erwies sich als ein wenig enttäuschend: Das Innere dieses vormals so bedeutsamen Pubs machte auf uns keinen besonders einladenden Eindruck, so dass wir uns schon bald auf dem Heimweg in die Pension machten – natürlich nicht, bevor ich mich davon überzeugte, dass das altbewährte Gericht „Wiltshire-Ham-And-Eggs“ (Zwei Spiegeleier mit Schinken und Pommes) ungeachtet des renovierungsbedürftigen Interieurs immer noch so gut schmeckte wie früher. Bei diesem einen „Barge“ Besuch sollte es während unseres Aufenthaltes dann auch bleiben. Hoffen wir, dass die Kneipe, wie angekündigt, bald renoviert und wieder zum Treffpunkt von Kornkreis-Enthusiasten aus aller Welt wird.

::Bildquelle Kurt Diedrich©


01 – Anreise, Unterkunft, Knapp Hill und „Barge Inn“
02 – Wanderung East Kennett – Silbury Hill – Avebury u.a.
03 – East Kennett, Marlborough, Stonehenge und Devizes
04 – Einparken, „Silent Circle“ und West Kennett Long Barrow
05 – Cherhill Down
06 – Der Kornkreis am Savernake Forest bei Marlborough
07 – „Royal Oak“, Abendstimmung am Knap Hill und Reisefazit

Datum: Dienstag, 27. Juli 2010 22:54
Themengebiet: Diedrich, FGK, FGK-Blogroll, Kornkreise - crop circles, Kornkreise 2010 Trackback: Trackback-URL
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