Was nach dem Sterben geschieht (2/5)

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Der Autor des Artikels Dipl.-Psycholge Rolf-Ulrich Kramer war Referent der FGK-Herbstveranstaltung am 27. Oktober 2012 in Zierenberg zum Thema „MindWalking.


Nachtod anders als Nahtod
Nach Eintritt des körperlichen Todes tritt das abgeschiedene Geistwesen eine Reise an, die in der Regel mit einer Wiedergeburt auf der Erde endet. Von Nahtoderlebnissen weiß man, dass die irrende Seele typischerweise zu lichtvollen Engelwelten aufsteigt, wo sie huldvoll begrüßt und anschließend auf die Rückreise zur Erde geschickt wird. Oder man stößt auf seine Ahnen, die einen willkommen heißen und trösten.
Der diesbezüglichen Literatur folgend, gibt es bei Nahtod-Erfahrungen bestimmte Standardphasen in ungefähr folgender Reihenfolge: Erblicken des Körpers aus der Außenposition. Ein Gefühl von Schmerzfreiheit, Frieden, Ruhe, Glück. Der Eintritt in einen dunklen Tunnel oder Gang. Bewegung hin zu einem plötzlich auftretenden und immer größer werdenden Licht, oft begleitet von „Engelchören“. Das Zusammentreffen mit weisen Lichtwesen. Geborgenheit in Liebe und Licht. Erleben von unwirklich schönen Landschaften, weitere Begegnungen mit Lichtwesen. Zusammentreffen mit Ahnen und religiösen Leitfiguren. Dann ein Grenzbereich, den man jedoch nicht überschreitet, sondern von dem aus man wieder ins Leben zurückkehrt. Oft trifft man in dieser letzten Phase auf Engelgremien, die einem eine Moralpredigt halten (man sei „noch nicht reif“, usw.), bis man ganz geknickt ist, um einen anschließend wieder hinunter ins Jammertal zu schicken.
Von dieser mittleren Phase, dem Weg zum Licht nebst Engelchören, lebt übrigens die gesamte Barockmalerei. Ein Besuch in einer südeuropäischen Kirche lohnt sich, falls man hierzu Anschauungsmaterial sucht, ohne sich der Mühsal eines halben Todes unterziehen zu wollen. Die Menschen damals müssen unglaublich häufig Nahtod-Erfahrungen gemacht haben, damit sich eine ganze Kultur darin wiedererkennen konnte.
Doch sind Nahtod-Erfahrungen nicht das Gleiche wie Nachtod-Erfahrungen. Letztere sind eher als düster, tückisch und gefahrvoll zu bezeichnen. Wer nur halb stirbt, bekommt ein hübsches Entree in die Himmelswelt präsentiert, wer hingegen ganz stirbt, wird in den Raum hinter der Bühne vorgelassen. Nach vollständig eingetretenem Ableben sieht die Weiterreise nämlich weit weniger weihevoll aus, als ein Nahtoderlebnis einen glauben macht.
Je traumatischer der Tod war, desto schlimmer der Schock und die Verwirrtheit des abscheidenden Wesens und desto unwägbarer und düsterer die Weiterreise. Nicht umsonst versuchte man im alten Tibet den abgeschiedenen Geist vor dem Schlimmsten zu bewahren, indem man ihm aus dem „Bardo Tödol“, dem tibetischen Totenbuch, vorlas. Dieses Buch hatte die Funktion eines Wegweisers durch die verwirrende Nachtodwelt.
Man glaube nicht, dass ein Wesen, das seinen Körper verlassen hat, weiser oder heiterer sei, als es zu Lebzeiten war. Mitnichten. Wer sich während des Lebens ausschließlich an seiner Körperlichkeit orientierte, wird auch nach seinem Tod für nichts anderes einen Sinn haben. „Ohne Körper geht es nicht“, meint ein solches Wesen nach dem Tod genauso wie davor. Es befindet sich in einem befremdlichen Zustand, auf den es durch nichts vorbereitet wurde, und hofft auf Rettung durch baldige Reinkarnation. Wegen seines verwirrten und entsetzten Zustands kann es dabei jedoch zu einer Familie stoßen, die seinen Wünschen nicht im Mindesten entspricht: ein emotionales Resonanzphänomen.
Über das Geschick eines Abgeschiedenen während der Zwischenlebensphase entscheidet offensichtlich in hohem Maß, über welche Gefasstheit und spirituelle Vorkenntnis er verfügt. Aus diesem Grund werden in manchen Kulturen Sterbebegleitungen praktiziert, die sich Tage und Wochen über den physischen Tod hinaus hinziehen. Auf diese Weise soll auch dem „Unerleuchteten“, der während seines Lebens keine Gelegenheit fand, sich mit diesen Dingen zu befassen, zu Gefasstheit und Stärke angesichts ihm unbekannter und Furcht einflößender Welten verholfen werden.

©Rolf-Ulrich Kramer, im November 2012


Was nach dem Sterben geschieht
::Inhaltsverzeichnis
::Teil 01 – Trauma und Erinnerung
::Teil 01 – Wahrnehmung von außerhalb des Körpers
::Teil 02 – Nachtod anders als Nahtod
::Teil 03 – Downloading mentaler Inhalte aus der Akasha-Chronik
::Teil 04 – Die Nirwana-Welt
::Teil 04 – Zurück zur Erde
::Teil 05 – Der Strudel des Vergessens
::Teil 05 – Ein neues Leben – Bloß keine Angst!


::Zur Person des Autors Rolf-Ulrich Kramer


::Literatur – Rolf-Ulrich Kramer
MindWalking – Unbelastet in die Zukunft, Münster 2008.


::Vorschau – Am 28. September 2013 ist Rolf-Ulrich Kramer erneut Referent der FGK-Herbstveranstaltung in Zierenberg, dann mit dem Thema „Im Internet der Seelen“ – Telepathische Interaktion und mediale Durchsagen.

Datum: Sonntag, 30. Dezember 2012 8:30
Themengebiet: FGK, FGK-Blogroll, Kramer, MindWalking, Psychologie, Reinkarnation Trackback: Trackback-URL
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Ein Kommentar

  1. 1

    Nahtod-erfahrungen (NTEs)
    Seit Jahrhunderten werden NTEs im Totenbuch der Tibeter als aus dem Gedächtnis aufsteigende Erinnerungen betrachtet. Man betrachtet sie als Trugbilder welche verhindern, dass von einem Sterbenden die Wahrheit/Wirklichkeit erkannt wird.

    Dass NTEs nur ein Erinnerungsvorgang ist, manchmal mit einer virtuellen Simulation der aktuellen Situation (Außerkörperliches Erlebnis), ist auch Ergebnis meines neuen Erklärungsmodelles für NTEs.
    Das bei NTEs erlebte lebensechte Zusammentreffen mit bereits verstorbenen läßt sich auch einfach erklären: unsere Erfahrungen werden in der zeitlichen Gegenwartsform erlebt, im Gedächtnis abgespeichert und auch so wieder erinnert.

    Mehr dazu: http://www.spektrumverlag.de/artikel/1058259 oder per Google-suche [„Immortality project“ Pfeiffer], bei den comments.

    So einfach lassen sich NTEs erklären

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