Wintersonnenwende – Julfest – Mittwinter

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Schon lange, bevor es das Christentum gab, war das Weihnachtsfest in allen indogermanischen Regionen und anderen Orten verbreitet. Die Griechen feierten „Soter“, die Geburt des Lichtgottes, die Iraner feierten wie die alten Römer die Ankunft ihres Licht– und Sonnengottes „Mithras“ und die Germanen und Kelten „Jul“ oder „Yule“, wobei in Mitteleuropa aber eher der Begriff „Wintersonnenwende“ gebräuchlich war.
Für die Germanen hatte die Wiederkehr des Lichtes jedoch eine wesentlich intensivere Bedeutung. Durch das rauhe Klima und die harten Winter bedeutete das Ende des Winters nichts anderes als das Überleben ihres Stammes. Die Vorräte gingen zu Ende und ohne das Licht der Sonne waren Ackerbau und Viehzucht unmöglich. Ein griechischer Geschichtsschreiber berichtete, dass es im 6. Jahrhundert anscheinend üblich war, Boten auf hohe Berge zu senden, um nach der Wiederkehr der Sonne Ausschau zu halten.
Zur Zeit der Wintersonnenwende, also am 21. Dezember, feierte man – vermutlich dem germanischen Göttervater Odin zu Ehren – das Julfest. „Jul“, dieser Name stammt aus vorchristlicher Zeit und heißt eigentlich „Rad“, das Symbol der Sonne. Zu früherer Zeit wurde es durch ein brennendes strohumwickeltes Wagenrad dargestellt, das man den Berg hinunterrollen ließ in dem Glauben, dass die Felder dadurch fruchtbar werden. Soweit man aus alten Quellen nachlesen kann, wurde dabei Bier für ein fruchtbares Jahr geopfert. Die Entstehung des Julfestes ist sehr umstritten. Man weiß nicht genau, wann dieser Kult entstand. Auch Vermutungen, dass im Winter anlässlich der Wintersonnenwende Tieropfer dargebracht wurden, konnten bis heute nicht eindeutig bestätigt werden.


Sprung durch das reinigende Feuer

Die Datierung des Julfestes zwischen Dezember und Januar verdanken wir dem Mönch und Gelehrten Beda Venerabilis (673/674 bis 735). Dem altisländischen Schriftsteller und Politiker Snorri Sturluson (1179 – 1241) zufolge wurde das heidnische Julfest im 10. Jh. mit dem Fest der Geburt Christi zusammengelegt.
Das Fest wurde in Skandinavien als “alfablót” gefeiert, während man das Julfest im angelsächsischen Raum als die “Nacht der Mütter” bezeichnete. Auch in Island und Irland und natürlich auch hier in Deutschland, kannte man dieses bedeutende Fest. Eine der wichtigsten Kultstätten für das Julfest im deutschen Raum sind die Externsteine im Teutoburger Wald.
Je nach Region beinhaltet das Julfest verschiedene Traditionen. Neben den vermeintlichen Tieropfern war zum Beispiel das Jultrinken ein fester Bestandteil des Festes. Daneben spielt der Julbock eine wichtige Rolle. Aller Wahrscheinlichkeit nach geht er auf die Ziegenböcke des Gottes Odin zurück. In vorchristlicher Zeit, war man davon überzeugt, dass ein dämonischer Ziegenbock sich zum Julfest den Häusern der Menschen näherte, um dort einzudringen. Gleichzeitig war er ein wichtiges Symbol der Fruchtbarkeit. Um böse Geister zu vertreiben, war es in vielen Dörfen üblich, dass die Jungen sich als Julbock verkleideten und alle Menschen erschreckten. In einigen Regionen wurden damit zusammenhängend Schauspiele vorgeführt, während er in anderen Regionen durch Julbier besänftigt werden konnte. Gerade in nordischen Ländern brachte der Bock zum Julfest auch die Geschenke – bis der Weihnachtsmann ihn verdrängte.
julfest1.jpgFest mit der Wintersonnenwende und dem Julfest einher gehen auch die zwölf Rauhnächte. Die Germanen glaubten damals daran, dass in diesen zwölf Nächten, die sich direkt an das Julfest anschlossen, das Tor zur Geisterwelt offenstünde. Deshalb ließ man Essen stehen oder brachte es zu besonderen Kultstätten, damit die verstorbenen Ahnen sich daran gütlich tun konnten. Für Odins göttliches Pferd Sleipnir stellte man Futter vor die Tür.
In der Neuzeit wurde das Julfest auch in Mitteleuropa wieder beliebter. Es gibt heute viele moderne Bewegungen, die das Julfest wieder feiern und alte Bräuche aufgreifen, die die Volkskunde erforscht hat. Sie treffen sich an Orten wie Avebury, an den Externsteinen oder an vielen anderen Kraftplätzen, um das Julfest zu feiern. Kerngedanke dieses modernen Festes ist es, die wiedergeborene Sonne zu feiern, da die Tage ab dem 22. Dezember wieder länger werden.

Datum: Montag, 30. Dezember 2013 7:10
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