Die Oliver’s Castle Video-Affäre (5)

Das Ende eines Mythos von Joachim Koch

Erste Zweifel durch die Slow-Motion-Maschine

Nach der Ankunft im Studio begann Peter, zu filmen, weil er das alles für eine spätere Dokumentation festhalten wollte, wurde jedoch sofort von John ermahnt, ihn ja nicht mit ins Bild zu nehmen, weil er unbedingt anonym bleiben wollte. Danach bemerkte Peter, mit welcher Selbstverständlichkeit John die 8mm-Kassette aus der Kamera nahm, ohne Zögern hinüber zu den Halterungen der verschiedenen professionellen Videomaschinen ging und die Kassette in die einzige passende 8mm-Maschine einlegte und sofort den Startknopf drückte – als ob ihm diese industrielle Ausrüstung sehr vertraut war und er sie nicht zum ersten Mal bediente.
Während der folgenden Stunde wurde das Video auf dem Slo-Mo-System intensiv betrachtet, vorwärts und rückwärts gespielt, schnell und ganz langsam und mit wechselnden Vergrößerungen.

Diagramm Flugbahnen Oliver's Castle
Die Flugbahnen der BOLs über dem Piktogramm

Der entscheidende Video-Schuss beginnt mit zwei BOLs, die knapp einen Meter groß erscheinen und sich in der Mitte des Bildes befinden („A“ im Diagramm) und von dort mit geschätzten über 100 km/h über das Feld huschen.
Lee entdeckte einen dritten BOL, der nur im ersten Frame (=Bild in der Abfolge des Videos) auftaucht und dann im zweiten Frame nicht mehr zu sehen ist und auch nicht mehr auftaucht. Nach weiteren zwei Sekunden im Ablauf der Szene beginnt sich der Kornkreis in der Mitte des Bildschirmes zu zeigen. Zur gleichen Zeit fliegt ein ganz schwaches Licht (B) hinter einen Baum, erscheint wieder, überquert die Hecke hinten und fliegt zur mittleren Hecke. (Dieses Licht ist nur auf guten Kopien sichtbar. Man wird es kaum wahrnehmen, bis es Punkt C erreicht. Bis dahin hat es dann einen kleineren Partner bekommen.
Inzwischen ist die Szene bei 5 Sekunden Dauer angekommen und das erste Lichterpaar ist vom Kornkreis weggeflogen. Ein Licht, das augenscheinlich tiefer fliegt, durchquert die mittlere Hecke und gleitet davon. Während es mit den Fernsehern zu Hause schwer zu erkennen ist, zeigte es sich im Studio unter digitaler Vergrößerung, dass das Licht durch – nicht über – das Gebüsch fliegt. Dies ist von Bedeutung, denn es würde zeigen, wie niedrig die Objekte flögen. So befinden sie sich nur wenige Fuß über dem Weizen, scheinen aber kein Licht darauf, obwohl sie einige Größenklassen heller sind als die Umgebung.
Nachdem das zweite Lichterpaar (B) über und rund um den Kornkreis geflogen sind, verlassen sie an zwei Stellen (D und G) die Frames. Die Kamera unternimmt keinen (!) Versuch, ihnen zu folgen, als sie am Rand verschwinden. Jeder, der bisher das Band sah, bemerkte das als eigenartig, weil doch die meisten den Lichtern folgen würden. An dieser Stelle wurde von den Verteidigern des Videos angeführt, dass Wheyleigh von der Kornkreisintelligenz wohl beeinflusst wurde, nur auf den Kornkreis zu halten. Auf diese ganz spezielle Art der Kameraführung wird noch eingegangen.
Peter, der damals schon seit über 20 Jahren Erfahrungen in der Computeranimation hatte und miterlebte, wie sich die Technik von den einfachsten Anfängen bis hin zu den fotorealistischen Dinos von Jurassic Park entwickelt hatte, wurde von einer Sache irritiert, die er dort jedoch noch für sich behielt. Auch unter der größten Vergrößerung fiel auf, dass die Lichter in der Richtung ihrer Bewegung nicht leicht verwischt waren, wie es bei Verschlussgeschwindigkeiten bei dem Licht der frühen Dämmerung speziell mit Video hätte sein müssen.
Peter behielt dies für sich, denn wenn das Video echt wäre, hätte er John mit seinen Zweifeln verärgert und außerdem waren das sehr technische Details, für deren Beurteilung echte Video-Ingenieure besser qualifiziert wären, als John. Wenn es aber doch eine Fälschung war, dann wollte er John gegenüber noch nicht verraten, dass er eine Ratte roch.
Zurück in Alton Barnes wurde das Video an den nächsten zwei Abenden vor vielen faszinierten Menschen immer wieder abgespielt, vor und zurück, bis der Rewind-Knopf heiß war.

Polly Carson-als sie das Video zum erstenmal sah Die Farmersfrau Polly Carson beim Anschauen des Videos

An diesen Abenden begann die Pro- und Contra-Debatte, die lange anhielt. Die nicht-verschmierten Lichter waren damals das härteste Contra- Argument, während das leichte Wackeln der scheinbar handgehaltenen Kamera das stärkste Pro-Argument lieferte, denn alle glaubten zunächst, dass es extrem schwierig sei, Computerbilder mit den Wacklern in Übereinstimmung zu bringen. Doch es kam anders.


::Inhaltsverzeichnis zur Oliver’s Castle Video-Affäre
Teil 01 – Einige einleitende Worte
Teil 02 – Die Hintergrundgeschichte (I)
Teil 03 – Die Hintergrundgeschichte (II)
Teil 04 – John Wheyleigh
Teil 05 – Erste Zweifel durch die Slow-Motion-Maschine
Teil 06 – Die Smoking Gun
Teil 07 – Der letzte Sargnagel (I)
Teil 08 – Der letzte Sargnagel (II)
Teil 09 – Der letzte Strohhalm
Teil 10 – Das mysteriöse Verschwinden von Wheyleigh (I)
Teil 11 – Das mysteriöse Verschwinden von Wheyleigh (II)
Teil 12 – Anmerkungen

Datum: Sonntag, 15. Mai 2016 8:28
Themengebiet: crop circle, FGK, FGK-Blogroll, Koch, Kornkreis, Kornkreis-Kunst, Kornkreise 1996, LandArt, Verschwörungen, Wiltshire Trackback: Trackback-URL
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