Die Oliver’s Castle Video-Affäre (6)

Das Ende eines Mythos von Joachim Koch

Die Smoking Gun

Ein paar Tage später erreichte Peter der Anruf von John Huckvale, dem Besitzer des Videostudios, in dem sie alle vorher gewesen waren. Er hatte etwas entdeckt, das wohl die Smoking Gun für den Nachweis eines Hoaxes bedeutete. Seine Entdeckung machte es sehr, sehr, ja beinahe vollständig unmöglich für das Video, einen echten Vorgang zu zeigen. Alle anderen Argumente verblassen angesichts dieses Beweises.
Wir alle wissen, dass ein Spielfilm aus einem langen Streifen mit aneinandergereihten Bildern, den Frames, besteht. Video-Frames hingegen werden als elektromagnetische Signale aufgenommen und deswegen kann man sie auch nicht sehen, wenn man ein Videoband gegen das Licht hält.

Interlaced_Animation

Um zu verstehen, weshalb das Oliver’s-Castle-Video (OC-Video) ein Schwindel ist, muss man den entscheidenden technischen Trick verstehen, mit dem generell Video auf Band aufgenommen wird. Jeder Video-Frame besteht aus zwei „Feldern“, dem Feld mit den geraden Zeilennummern und dem Feld mit den ungeraden Zeilennummern. Die Zeilen mit den ungeraden Zeilennummern (erstes Feld) werden zuerst gescannt, danach werden die geraden Zeilennummern gescannt (zweites Feld). Diese Felder werden also nacheinander aufgenommen und wiedergegeben, eins nach dem anderen. Im britischen „PAL“-System, das 25 Frames pro Sekunde wiedergeben kann, geschieht dies mit 1/50stel Sekunde Verzögerung zwischen diesen beiden Feldern eines Frames. So zeigt also jedes Feld eines Frames die gleiche Szene mit einem geringen Zeitunterschied, eben dieser 1/50stel Sekunde. Genau genommen stellen diese beiden Felder zwei eigene Frames innerhalb des Gesamtframes dar, die jedoch nicht einzeln angeschaut werden können, wenn man seinen Videorecorder anhält.
Tut man dies, wird man immer nur ein gesamtes Bild – den Frame, an dem der Recorder anhielt – sehen. Weil aber nun zwei Einzelbilder in diesem Frame stecken, die zeitlich etwas unterschiedlich aufgenommen sind, wird ein sich schnell bewegendes Objekt minimal im Bild flimmern oder leicht unscharf oder verschmiert erscheinen. Schauen Sie sich einen Fußball im Fluge an und stoppen dann den Recorder, dann werden Sie diesen Effekt sehen.
Die Lichtbälle im Original OC-Video zeigen keinerlei derartige Verschmierung oder ein Flimmern, obwohl sie ja scheinbar mit über hundert Stundenkilometern über das Feld rasen! Das hätte bei einer Aufnahme mit einer normalen Videokamera niemals sein können. Dies ist nun keine persönliche Meinung, sondern einfach ein Fakt. Videoframes haben zwei Felder. Reale Lichter hatten sich zwischen diesen beiden Feldern gering bewegen müssen. Sie tun es aber hier nicht!
Aber eine Computeranimation kann genau diesen Effekt hervorrufen. Computer können Szenen rendern, aber das braucht Zeit, mehr noch, wenn Bewegungsunschärfen beseitigt werden sollen. Und Zeit war für Wheyleigh ein wichtiger Faktor, denn er wollte ja das Video schon am gleichen Abend im Barge zeigen.
Die Lichter sind durch einen Computer animiert und später zu den Bildern mit dem Piktogramm hinzugefügt worden. Das ist so ähnlich wie in „Forrest Gump“ , in dem Tom Hanks in die Szenen mit JFK eingefügt wurde. Das OC-Video ist eine Fälschung, einfach und simpel ein Hoax.
Die Fraktion der Echt-Gläubigen führte Animationsexperten an, die gesagt hätten, es würde Tage oder Wochen dauern, diese 8 Sekundenszene zu fälschen. Ja, es gab sogar Äußerungen aus diesen Kreisen, dass das Video erst auf Film (!) hätte kopiert werden müssen, um ihn dann komplettiert mit einer Hintergrundprojektion neu aufzunehmen und zurück auf Video zu überspielen. Allein die Zeit, den Film zu entwickeln, hätte die Dauer eines Tages weit überschritten. Also mussten die Hoax-Befürworter falsch liegen. Offensichtlich hatten, selbst zu damaliger Zeit im Jahre 1996, diese „Experten“ keine Ahnung von den inzwischen stattgehabten Weiterentwicklungen in der Computeranimation.


::Inhaltsverzeichnis zur Oliver’s Castle Video-Affäre
Teil 01 – Einige einleitende Worte
Teil 02 – Die Hintergrundgeschichte (I)
Teil 03 – Die Hintergrundgeschichte (II)
Teil 04 – John Wheyleigh
Teil 05 – Erste Zweifel durch die Slow-Motion-Maschine
Teil 06 – Die Smoking Gun
Teil 07 – Der letzte Sargnagel (I)
Teil 08 – Der letzte Sargnagel (II)
Teil 09 – Der letzte Strohhalm
Teil 10 – Das mysteriöse Verschwinden von Wheyleigh (I)
Teil 11 – Das mysteriöse Verschwinden von Wheyleigh (II)
Teil 12 – Anmerkungen

Datum: Dienstag, 17. Mai 2016 9:04
Themengebiet: crop circle, FGK, FGK-Blogroll, Koch, Kornkreis, Kornkreis-Kunst, Kornkreise 1996, LandArt, Verschwörungen, Wiltshire Trackback: Trackback-URL
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