Kornkreise, Fälschung oder Phänomen? (5)

Die Spiegelsymmetrie
Alle Dualität gründet auf der Dreiheit. Die Form der beiden spiegelbildlichen Mondsicheln zeigt, was gemeint ist.
SpiegelachseEs gibt eine unsichtbare Spiegelachse und von jedem Punkt auf dem Sichelrand aus kann ein gegenüberliegender Punkt gefunden werden, der gleich weit von der Spiegelachse entfernt ist. Man könnte also das Papier, auf dem die Sicheln aufgemalt sind an der Spiegelachse falten und die beiden Sicheln deckungsgleich übereinander legen. Diese Spiegelsymmetrie ist das hinter den beiden Sicheln verborgene Gesetz, das beide zueinander in Beziehung setzt, wodurch sie miteinander verbunden sind. Was wir sehen sind zwei Dinge, die auf eine verborgene Weise miteinander verbunden und aufeinander bezogen sind. Die Spiegelsymmetrie spielt dabei den dritten Faktor, der stets, bei jeder Art von Dualität präsent aber verborgen mitspielt.
Wir können nicht zwei Dinge denken, ohne das dritte, diesen beiden zugrunde liegende, einzuschließen, denn wären zwei Dinge nicht irgendwie vergleichbar, könnten wir sie nicht gleichzeitig erfassen. Es gibt immer übergeordnete Kategorien des Seins (- > Ontologie (1)) wie Farbe, Größe, Form, mit denen wir mindestens zwei Dinge vergleichend wahrnehmen. (2) Kant sagt: Zitat: „Erkenntnis ist nur durch Vergleichen möglich.“
Alles was in der Natur bipolar erscheint gründet auf einem gemeinsamen Feld, dem dritten unsichtbaren, verborgenen Parameter. In der anorganischen Chemie wirken Säuren und Basen nur dann aufeinander ein, wenn sie in Lösung gehen. Das Lösungsmittel ist das Medium in dem sie wirken, der dritte Faktor. Dieser Dreiklang existiert überall in allen Naturreichen, auch im menschlichen Denken. These und Antithese fordern die Synthese (Dialektik). Erkanntes und Erkenntnis liegen im Erkennenden.
Daher ist es falsch zu sagen, nach der Eins folge die Zwei, denn diese fordert schon den dritten Faktor. Wie in der Geometrie auf den Punkt das Dreieck als erste regelmäßige Figur folgt, so folgt auf die Einheit die Dreiheit. Die Dreiheit Erkenner – Erkanntes – Erkenntnis bricht sofort in sich zusammen, sobald man einen Faktor entfernt.
Tarotkarte_12In der bloßen Erscheinung der äußeren Natur der Dinge tritt das ihnen zugrunde liegende gemeinsame (Feld) in der Regel nicht in Erscheinung. Es bleibt verborgen. Das ist es, was Dualität ausmacht. Dies ist auch in der Tarot Karte Nr. 2 dargestellt. Ein Schleier verhüllt den Raum zwischen den beiden Säulen des salomonischen Tempels, Jachin und Boas. Die Priesterin hält ein Buch als Zeichen menschlicher Erkenntnisfähigkeit.
Der Schleier trennt das was hinter ihr liegt, die innere unbewusste Welt von dem was vor ihr liegt, die äußere Welt.

Diese sind die beiden größten und augenfälligsten Gegensätze, denen wir uns gegenüber sehen, die Innen- und Außenwelt. Die innere Welt der Gefühle, Gedanken, und Motivationen ist scheinbar mit der äußeren, in der die Naturgesetze gelten unvereinbar. Es gibt jedoch auch hier eine dritte Kategorie, die beide, Innen- und Außenwelt in sich fasst. Die Vernunft, oder schlicht, das Vermögen aus Erfahrung Schlüsse für zielgerichtetes Handeln zu ziehen, die „Unterscheidungskraft“, wie Hildegard von Bingen sie nennt. Die große Seherin schreibt in ihrem Kommentar zum zweiten Tag der Schöpfung:
Zitat: „Gott nennt durch die Einhauchung des Heiligen Geistes im Menschen die Unterscheidungskraft (lat. Discretio) Himmel. Sie ist wahrhaftig die sicherste Bezeichnung für den Himmel. Denn wie das Firmament alle Gestirne in sich trägt, die die Welt beleuchten, lenken und zusammenhalten, so trägt auch die Unterscheidungskraft alle Werkzeuge der Tugenden, die aus Gott hervorgehen und durch den Leib und die Seele gelenkt werden. (3)


Quellenverzeichnis:
(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie_(Philosophie)
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorien
(3) Hildegard von Bingen, Liber DivinorumOperum, Das Buch vom Wirken
(3) Gottes, Heieck Mechthild (Übers.), Patloch, Augsburg, 1998, S. 289


Inhaltsverzeichnis zu Kornkreise, Fälschung oder Phänomen?
Teil 01 – Feldzeichen … Kornkreise
Teil 02 – Aspekte der Dualität – Die Idee der Dualität
Teil 03 – Spuren in der Geschichte
Teil 04 – Dualität gründet auf Dreiheit
Teil 05 – Die Spiegelsymmetrie
Teil 06 – Logos
Teil 07 – Der Kornkreis

Datum: Sonntag, 26. Juni 2016 8:00
Themengebiet: crop circle, FGK, FGK-Blogroll, Geometrie, Kornkreis, Kornkreis-Kunst, Kornkreise 1996, Müller, R. U., Philosophie Trackback: Trackback-URL
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