Kornkreise, Fälschung oder Phänomen? (6)

Logos
Was nach heutiger Ansicht „alle Gestirne … lenken und zusammenhalten“, wie Hildegard von Bingen sich ausdrückt, ist im Wesentlichen die Gravitationskraft, sowie die elektromagnetische Kraft. Sie sieht also hinter den Naturgesetzen die im Kosmos wirken eine Vernunft oder „Unterscheidungskraft“ (Diskretion), die sie hervorbringt. Die Moderne leugnet eine solche hinter der Erscheinung wirkende Vernunft. Die großen Physiker sahen das aber anders.
Albert Einstein sagt dazu:
Zitat: „A priori sollte man doch eine chaotische Welt erwarten, die durch Denken in keiner Weise fassbar ist. … Die Art Ordnung, die dagegen z.B. durch Newtons Gravitationstheorie geschaffen wird, ist von ganz anderem Charakter. Wenn auch die Axiome der Theorie vom Menschen gesetzt sind, so setzt doch der Erfolg des Beginnens eine hochgradige Ordnung der objektiven Welt voraus. (1)
Diese Ordnung von der Einstein spricht ist für ihn der Beweis, dass der Mensch durch die ihm gegebene Vernunft im Stande ist, den Kosmos zu verstehen. Hildegard von Bingen sagt „Unterscheidungskraft“ wurde dem Menschen von Gott verliehen, was angesichts der zeitlichen und kulturellen Distanz eine Aussage ist, die sich mit der Einsteins und vieler großer Wissenschaftler deckt.
Immanuel Kant erwägt beim Anblick des Himmels – der für ihn die Naturgesetzlichkeit an und für sich darstellt – wie auch bei Hildegard von Bingen das moralische Gesetz, das sie (lat. Discretio) „Unterscheidungskraft“, Vernunft als Grundlage der „Tugenden“ benennt:
Zitat: „Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir. Das erste fängt von dem Platze an, den ich in der äußeren Sinnenwelt einnehme, und erweitert die Verknüpfung, darin ich stehe, ins unabsehlich Große mit Welten über Welten und Systemen von Systemen, überdem noch in grenzenlose Zeiten ihrer periodischen Bewegung, deren Anfang und Fortdauer. Das zweite fängt von meinem unsichtbaren Selbst, meiner Persönlichkeit an und stellt mich in einer Welt dar, die wahre Unendlichkeit hat, aber nur dem Verstande spürbar ist, und mit welcher (dadurch aber auch zugleich mit allen jenen sichtbaren Welten) ich mich nicht wie dort in bloß zufälliger, sondern allgemeiner und notwendiger Verknüpfung erkenne. Der erstere Anblick einer zahllosen Weltenmenge vernichtet gleichsam meine Wichtigkeit als eines tierischen Geschöpfs, das die Materie, daraus es ward, dem Planeten (einem bloßen Punkt im Weltall) wieder zurückgeben muss, nachdem es eine kurze Zeit (man weiß nicht wie) mit Lebenskraft versehen gewesen. Der zweite erhebt dagegen meinen Wert als einer Intelligenz unendlich durch meine Persönlichkeit, in welcher das moralische Gesetz mir ein von der Tierheit und selbst von der ganzen Sinnenwelt unabhängiges Leben offenbart. (2)
Hildegard von Bingen spricht von „Unterscheidungskraft“, Einstein von durch Denken fassbare „Ordnung“, Kant vom „Intelligenz“ und moralischem Gesetz (Ethik). Man kann die genannten Begrifflichkeiten unter dem Wort „Logos“ subsummieren. Die biblischen Texte alleine geben diese Synthese bereits her:
Zitat: „Die Bedeutung des griechischen Wortes „lógos“ ist nicht reduzierbar auf den deutschen Begriff „Wort“, obwohl man sich in den Bibelübersetzungen oft für diesen Begriff entscheidet. „Logos“ bezeichnet u.a. auch Sprache, Rede, Beweis, Lehrsatz, Lehre, Sinn und Vernunft. Diese Bedeutungsvielfalt ergibt sich u.a. anhand folgender Passagen: Hebr 1,2 EU; 1 Kor 1,24 EU; Kol 2,2-3 EU; Kol 1,16 EU; 1 Kor 8,6 EU; Joh 1,10 EU (3)
Ferner:
Zitat: „Unter den Wortbedeutungen des griechischen Ausdrucks „logos“ wird wortgeschichtlich insbesondere jene der „Vernunft“ im philosophischen Kontext bedeutsam, leiht sie doch bis heute der Disziplin der Logik ihren Namen – und davon abgeleitet auch der „Gesetzhaftigkeit“ von Überlegungen (logisch). (4)“ und kommt zu folgendem Bild:


Quellenverzeichnis:
(1) Wickert, Johannes; Einstein, Rohwolt, Hamburg, 1972, S. 120
(2) http://www.zeno.org/Philosophie/M/Kant,+Immanuel/
(2) Kritik+der+praktischen+Vernunft/Beschlu%C3%9F
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Logos#Charakterisierung_
(3) und_Handlung_des_Logos_aus_dem_Kontext
(4) http://de.wikipedia.org/wiki/Logos#Neuzeit


Inhaltsverzeichnis zu Kornkreise, Fälschung oder Phänomen?
Teil 01 – Feldzeichen … Kornkreise
Teil 02 – Aspekte der Dualität – Die Idee der Dualität
Teil 03 – Spuren in der Geschichte
Teil 04 – Dualität gründet auf Dreiheit
Teil 05 – Die Spiegelsymmetrie
Teil 06 – Logos
Teil 07 – Der Kornkreis

Datum: Dienstag, 28. Juni 2016 8:00
Themengebiet: crop circle, FGK, FGK-Blogroll, Geometrie, Kornkreis, Kornkreis-Kunst, Kornkreise 1996, Müller, R. U., Philosophie Trackback: Trackback-URL
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