Mouches volantes im alten Europa (8)

Die Leuchtstruktur als Grundlage megalithischer Bauwerke
Von Floco Tausin

8. Aspekte der Leuchtstruktur
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::Bild 10 – Ein alter Plan von miteinander verbundenen megalithischen Anlagen? Eine Darstellung von miteinander verbundenen entoptischen Lichtern? Gravierte Muster in einem Felsen bei Old Bewick in Northumberland, England. ::Quelle – Bradley 1997.

Diese Eigenschaften – Unterwelt, Himmelswelt und Menschenwelt – erinnern nicht nur an die schamanische Dreiteilung des Kosmos (vgl. Tausin 2010b), sondern enthüllen auch Aspekte der Leuchtstruktur: Diese trennt dunkle und helle Anteile und verbindet die einzelnen Einheiten, die Kugeln, untereinander durch Röhrenstrukturen oder durch ihre Einbettung in dieselben Schichten (vgl. Tausin 2006b). Auch die damit einhergehenden Thematiken haben Entsprechungen im meditativen und ekstatischen Sehen der Leuchtstruktur: Die Rückkehr zum Ursprung (Gebärmutter) oder Eingang in die Anderswelt, wo Erneuerung, Transformation und Wiedergeburt stattfindet, erinnert an den Weg in der Leuchtstruktur und das Eingehen in die letzte Kugel oder Quelle (vgl. Tausin 2006b). Dass die jungsteinzeitlichen Menschen ihre Toten in Kern-Umkreis-Strukturen bestatteten, könnte ein Hinweis sein, dass die frühen Schamanen um das Eingehen in die letzte Kugel beim Einschlafen und Sterben gewusst haben. Die Ausrichtung auf den Kosmos und die als göttlich gedachten Lichter von Himmelskörpern wiederum entspricht der meditativen Betrachtung der Lichter der Leuchtstruktur. Dabei ist nicht auszuschliessen, dass manche der megalithischen Steinkreise und Henges nicht nur der Beobachtung von Gestirnen, sondern auch von entoptischen „Himmelskörpern“ dienten. Die Einbettung der Anlagen in grössere geografische und womöglich auch sakrale, kultische und mythische Netzwerke schliesslich ist nicht nur ein Spiegel vieler zeitgenössischer Felsbilder, sondern auch ein Spiegel des Netzwerkcharakters der Leuchtstruktur, die den Menschen durch zahlreiche Schichten hindurch mit seiner Quelle verbindet. Die Parallelen von megalithischen Bauwerken und den Kugeln und Fäden der Leuchtstruktur könnte dabei in beide Richtungen funktioniert haben: Einerseits inspirierte das Sehen der Leuchtstruktur und ihre Deutung die Gestaltung der jungsteinzeitlichen und bronzezeitlichen Felsbilder und Bauwerke; andererseits haben die megalithischen Bauwerke und die damit verknüpften Bilder von Welt, Mensch und Kosmos wiederum das Verständnis der subjektiven visuellen Lichter beflügelt, welche während ritueller Trance wahrgenommen wurden.

::Der AutorFloco Tausin


::Inhaltsverzeichnis

::Teil 1 – Einleitung
::Teil 2 – Vorgeschichte
::Teil 3 – Die Bauwerke der Megalithkulturen
::Teil 4 – Steinkreise, Steinkisten, Ganggräber
::Teil 5 – Stonehenge
::Teil 6 – Entoptische Erscheinungen?
::Teil 7 – Vorstellungen der damaligen Erbauer
::Teil 8 – Aspekte der Leuchtstruktur


::Literatur

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Bradley, Richard (1997): Rock Art and the Prehistory of Atlantic Europe. Signing the Land. London: Routledge

Tausin, Floco (2010b): „Lichter in der Anderswelt. Mouches volantes in der darstellenden Kunst moderner Schamanen“. Galaxiengesundheitsrat. http://wedismus.ning.com/group/Schamanismus/forum/topics/lichter-in-der-anderswelt (13.12.10)

Tausin, Floco (2006b): „Mouches volantes. Bewegliche Kuglen und Fäden aus der Sicht eines Sehers“. Q’Phase. Realität … Anders! 4

Datum: Dienstag, 21. Februar 2017 8:00
Themengebiet: Archäologie, FGK, FGK-Blogroll, Geschichte, Infofelder, Spirituelles, Tausin Trackback: Trackback-URL
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