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   Autor  Thema: Volksbräuche gegen böse Geister  (Gelesen 5852 mal)
Frank
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Volksbräuche gegen böse Geister  
« am: 12/27/03 um 08:50:47 »
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In der Region um Erding rückt man Spukgestalten mit dem Ausräuchern von Haus und Stall zu Leibe.  
 
Volksbräuche zu den Rauhnächten - mit dem Bügeleisen gegen böse Geister.
 
Landkreis Erding -Wenn die Sonne am Horizont versunken ist, legt sich oft Dunst über Moos, Flussauen und Holzland. Wer dann über Land fährt und sich an die Erzählungen der Alten oder die Schriften über das Brauchtum im Land erinnert, für den können die Schatten von Sträuchern und Bäumen leicht zu dunklen Gestalten und seltsamen Wesen werden.
 
Denn nun sind die Rauhnächte. Es ist die Zeit, von der es in einem Buch über „Bauernbrauch“ aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts heißt, dass die Sonne am „21. im Jul“, also am 21. Dezember, zum Stillstand komme, weshalb der Volksmund in Bayern den St. Thomas mit dem Spruch „Thoma, kehr d’Stund oma“ anrufe. Auch wenn die Überlieferung in Bayern besonders lebendig geblieben ist, der Ursprung der Rauhnächte geht weit zurück bis in die Antike und das nicht nur auf dem europäischen Kontinent. Auch in Asien galt die Zeit zwischen der winterlichen Sonnenwende und den ersten Januartagen als Zeit der Rückkehr der Seelen und der bösen Geister. Für die Germanen waren die zwölf Rauhnächte sogar eine „zeitlose Zeit“, weil für sie das neue Jahr erst nach den Rauhnächten begann, das alte Jahr aber mit der Wintersonnenwende endete. In ihrer Vorstellung rauschten Odin und seine Gefolgschaft als „wilde Jagd“ durch die Lüfte.
 
Im Oberbayerischen sind die üblen Gesellen auf den Boden herunter gekommen und treiben auch heute noch mancherorts ihr Unwesen als Perchten, die in dunkle Felle gehüllt und mit hölzernen, furchteinflößenden Masken vor dem Gesicht ihre „Rumpelglocken“ ertönen lassen und mit Peitschen knallen, um die bösen Geister zu vertreiben. In der Region um Erding geht es meist allerdings weniger laut und erschreckend zu. Hier treiben natürlich auch die Geister ihr Unwesen, aber man rückt ihnen vor allem mit dem täglichen Ausräuchern von Haus und Stall zu Leibe.
 
„Als ich ein Bub war, haben wir das noch gemacht“, sagt Hermann Westermaier aus Hündlbach. Da habe der Vater in den Rauhnächten Stall und Haus mit Weihrauch geräuchert. „Erhalten hat sich der Brauch im Wesentlichen heutzutage nur noch mit dem Dreikönigstag“, sagt der Museumspfleger des Städtischen Heimatmuseums Erding, Paul Adelsberger. „Es dürfte nur noch wenig Leute geben, die das auch noch an Neujahr machen oder Heiligabend“.
 
Zu den wenigen zählt Bernadette Irl, die aus Niederbayern kommt, in Tittenkofen wohnt und zur Weihnachtszeit in der Bäckerei in Reichenkirchen nicht nur Brot und Gebäck, sondern auch kleine Tütchen mit Weihrauch verkauft. „Ich habe noch ein altes Bügeleisen“, erzählt sie, „manche haben auch ein eisernes Kandl, da tut man glühende Kohlen hinein und den Weihrauch darauf, und damit gehen wir durch die Zimmer.“ Böse Geister werden damit vielleicht nicht mehr vertrieben – das Gute soll bleiben.
 
Ob nun der Begriff „Rauhnacht“ vom „Räuchern“ kommt, also seine Wurzel im althochdeutschen „Rauh“ für Rauch hat, kann Adelsberger nicht mit Bestimmtheit sagen. Einer anderen These zur Folge soll das Wort eher auf das ebenfalls althochdeutsche „ruh“ zurückgehen, das „rauh, grob, haarig“ bedeutet.
 
Sicher ist hingegen, dass die Rauhnächte nach dem Volksglaube auch „Losnächte“ waren, also jede Rauhnacht etwas über einen der zwölf Monate des kommenden Jahres weissagen konnte. Um künftiges Unglück abzuwenden, gab es nicht wenige Vorschriften. So sollte kein Garn gesponnen werden, dreschen durfte man nicht, und Wäsche musste von der Leine genommen werden. Doch auch Beziehungen ließen sich in diesen Nächten anbahnen: „Bettstaffel, i tritt di Heiliger Thomas, i bitt di Laß mir im Traum erschein Den Herzallerliebsten mein“, lautete ein Spruch, mit dem in der Thomasnacht junge Frauen einem Ende als alte Jungfer vorbeugten.
 
Dem Glauben, dass sich in den Rauhnächten die Zukunft zeigen kann, verdanken wir das Bleigießen an Sylvester. Das Ausräuchern findet sich noch bei den Sternsingern, die am Dreikönigstag mit Weihrauch von Haus zu Haus ziehen. Nur der Heilige Thomas als Ehevermittler dürfte in Zeiten von Chat-Rooms und Kontakt-Börsen arbeitslos geworden sein.
 
SZ vom 24.12.2003
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Frank
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Aberglauben zwischen Christnacht und Dreikönig  
« Antworten #1 am: 12/27/03 um 17:47:17 »
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Mit Weihrauch gegen böse Geister
 
Ursprünglich war die Zeit um Weihnachten die Zeit der germanischen Wintersonnenwende. Immergrüne Zweige, denen man schützende und heilende Kräfte zuschrieb, sollten nicht nur die Wiederkehr der Sonne beschwören, sondern auch magischen Zauber gegen Dämonen und böse Geister ausüben.  
 
Die trieben sich gerade in diesen langen und rauen Nächten mit Sturmgebraus und Geheul überall herum, wie Wotans Wilde Jagd. Eine weitere Abwehr gegen böse Geister war für unsere Vorfahren das Ausräuchern von Haus und Stall. Die Bezeichnung "Raunächte", dieser zwölf Nächte von Christnacht bis Dreikönig - auch die Zwölften genannt - leitet Johann Andreas Schmeller, der wohl bedeutendste bayerische Sprachwissenschaftler ab, von "die Wohnstuben, die Ställe ausräuchern, in denselben unter gewissen Gebeten und Zeremonien Weihrauch anzünden".  
 
Keine Wäsche waschen
 
Zum Ausräuchern verwendete früher der Priester, später der Bauer, ausser dem Weihrauch das Blumenbüschel, das zu Maria Himmelfahrt die kirchliche Weihe erhalten hatte. Dieses Räuchern hat heute nur zu Dreikönig noch Bestand. In diese Raunächte spielt der Aberglaube derart mit hinein, dass zum Beispiel keine Wäsche gewaschen werden durfte, sonst starb jemand in der Familie. Möglichst viele Weißbrote waren zu backen, um von einer Hungersnot verschont zu bleiben.  
 
Auch durfte in den "zwölf heiligen Nächten" kein Handwerker ins Haus geholt werden, wollte man sich nicht bösen Verheissungen ausgesetzt wissen. So wurden vom Frost zerborstene Wasserrohre lieber mit Ton verschmiertem Hanf oder Lappen umwickelt. Was man in den Raunächten träumte, sollte im nächsten Jahr in Erfüllung gehen, wobei die erste Raunacht für Januar, die zweite für Februar usw. galt.  
 
Hexen und Truden
 
Kaum ein Bauer karrte in dieser Zeit Mist auf die Felder. Und wem seine Füße lieb waren, der ließ zwischen Christnacht und Dreikönig die Stiefel ungeputzt. Schließlich schüttelten vom Aberglauben Besessene in der Christnacht ihre Obstbäume; dies sollte eine gute Ernte verheissen.  
 
Und da waren dann noch die "Losnächte", die zum Teil mit den Raunächten zusammen fielen. In diesem Falle sahen sich unsere Vorfahren den besonderen Gefahren durch Hexen, Druden und besonders der "Wilden Jagd" ausgesetzt. Da gab es allerhand Möglichkeiten, mit der "Geisterwelt" vom Abend bis zum Hahnenkrähen in Verbindung zu treten, wie zum Beispiel durch Orakelbefragen. So ein Brauch war zum Beispiel das Bleigießen in der Silvesternacht. Die sich dabei bildenden Figuren hatten allerhand Symbolwerte. So soll ein Kreuz Krankheit oder Tod im Verwandtenkreis, eine Kugel keine wesentliche Veränderung im kommenden Jahr bedeutet haben.  
 
Blumen wiesen auf Freude, eine beginnende neue Freundschaft oder Glück in der Liebe, runde Taler oder Geldstücke auf einen Geldgewinn und Tiere auf gute Geschäfte und landwirtschaftlichen Vermögenszuwachs hin. Auch mit dem Wetter wurden die Los- und Raunächte in Verbindung gebracht und es entstanden manche volkstümliche Wetteregeln, wie beispielsweise: Geht Barbara im Klee, kommt das Christkind im Schnee oder regnet es an St. Nikolaus, wird der ganze Winter streng und graus(lich).  
 
Aberglaube? In unseren Tagen nennt man es so. Aber es war einmal Glaube und steckt noch heute - meist unbewusst - in Vielem was wir tun. Bereichert es nicht unser ein wenig geheimnislos gewordenes Leben? Und darum ist es schön, sich zu erinnern, dass die Raunächte einmal "heilig" waren.  
 
Oberviechtach/Kühried - Amberger Zeitung 22.12.03
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Frank
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Zwölf "Haupt-Rauhnächte"  
« Antworten #2 am: 12/27/03 um 17:53:56 »
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Wilde Jagd im Lallinger Winkel zwischen Thomastag und Heilig-Drei-König
 
Zwischen dem Thomastag (21.12.) und Heilig Drei Könige waren früher im Lallinger Winkel zwölf "Haupt-Rauhnächte". Darunter verstanden die Lallinger Freinächte der bösen Geister, der Unholde, die in Gestalt von Hexen und Teufeln, Gespenstern Wölfen und wilden Hunden Unheil anrichteten. Da gab es die gefürchtete "wilde Jagd" und das böse "Nachtgloid", mit dem kleinen Kindern auch während des Jahrs gedroht wurde.  
Das "Nachtgloid" war besonders bei den Kindern sehr gefürchtet. Die Älteren drohten damit nicht nur, es war auch laut vernehmbar. Wildernde Hunde, ganz früher auch Wölfe heulten in der kalten Winternacht im Mondschein laut und hässlich auf, ein Gräuel im abgeschlossenen Lallinger Winkel mit seinem starken Widerhall. Wenn zudem starke Winde über das Waldgebirge heulten und brausten, freute sich jeder über die Geborgenheit in der warmen Stube. Das Winseln und Jauchzen, Hetzen und Toben wilder Geister ließ die Lallinger auch an die "Wilde Jagd" denken, die aufheulend vorüberzog und manchem den Atem stocken ließ. Da lag es nahe, in solchen Nächten von Geistern, Flüchen und Verwünschungen zu erzählen. All diejenigen, die sich zu Lebzeiten über Gott und die Menschenrechte hinwegsetzten, müssten jetzt Buße leisten, rastlos umherirren. Die Bezeichnung Rauchnächte erinnert daran, dass in der Thomasnacht, in der Christnacht, in der Silvester- und Neujahrsnacht sowie an Heilig Drei Könige die Wohnräume, aber auch die Ställe mit Weihrauch ausgeräuchert wurden. Seit altersher gelten diese zwölf Rauhnächte nach dem Volksglauben auch als Losnächte, in denen sich Glück und Unglück, Leid und Freud der kommenden zwölf Monate entwickeln.  
Im Lallinger Obst-Winkel gab es dabei das sogenannte Apfelbrechen: Aus den Kernen wurde die Zukunft gedeutet. Auch schälte man die Äpfel ab und warf die Schalen über den Rücken weg, die Lage der Schalen sollte die Zukunft zeigen.  
Das Heilig-Drei-Königwasser wurde in jedes Haus mitgebracht und das ganze Jahr über aufbewahrt, ihm wie dem Dreikönigsalz wurde Heilkraft zugeschrieben. Bei Krankheiten auch im Stall sollten Weihwasser und Dreikönigsalz Unheil abwenden. Selbst beim Ausbuttern legte die Bäuerin einige Dreikönig-Salzkörner in das Butterfass, um die Butterfasshexe zu verbannen.  
 
Lalling - Deggendorfer Zeitung 23.12.03
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Frank
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Nächte der Geister und Dämonen  
« Antworten #3 am: 01/02/04 um 23:44:26 »
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Die zwölf heiligen Nächte - heute eine vergessene Zeit.
 
Erinnerungen an das "Zwiebelorakel".

 
Das Weihnachtsfest und erst recht Silvester haben in ihrer heutigen Form nur noch wenig mit altem Brauchtum zu tun, zumal es wenig Bräuche gibt, bei denen man nach Expertenmeinung sagen könnte, die gibt es seit 1000 Jahren. Aber gerade in der Zeit zwischen Weihnachten und Dreikönig kommen die alten heidnischen Wurzeln noch gut zum Vorschein.
 
So auch in den zwölf heiligen Nächten zwischen dem 24. Dezember und 6. Januar. Aber hier fängt es schon an. Da es 13 Nächte sind und dies eine Unglückszahl darstellt, werden nur die zwölf Tage vom 25. Dezember bis 5. Januar gezählt und schon hat man die magische Zahl Zwölf. Früher war es im Bauernleben die stillste Zeit. Die Feldarbeit ruhte für zwölf Tage, denn niemand traute sich an der Erde zu arbeiten und die Frauen hielten sich streng daran, bloß keine große Wäsche zu waschen und im Freien aufzuhängen. Denn sonst - so hieß es - kam großes Leid über die Familie und man musste im folgenden Jahr einen Leichnam waschen (das heißt, es würde ein Familienmitglied sterben).
 
Ans Holzmachen gingen die Männer erst wieder nach Dreikönig. In diesen Tagen, zwischen denen die Heiligen Nächte liegen, soll die Sonne stillstehen. Nur um einen Hahnenschrei früher lugt das Licht über den Horizont. In den Nächten aber gehen Teufel und Engel, gute Geister und wilde Jäger um. In den Heiligen Nächten kommen die Toten des verflossenen Jahres zum letzten Mal wieder und setzen sich an den Tisch, legen sich ins Bett, oder gehen durch Keller und Ställe, und sprechen mit den Tieren, die in diesen Nächten selbst die Gabe der Sprache gefunden haben sollen und die Zukunft voraussagen können.
 
Die Zukunft zu erfahren, dass ist es, was die Menschen schon immer bewegt. Und so lauschten die Menschen schon bevor man nach neuer christlicher Lehre aus uralten Geister- und Göttergestalten Teufel und Besessene machte, in das Dunkel dieser Nächte hinaus.
 
Sie lauschten und glaubten in dem Rauschen und Raunen, in dem Heulen des Windes um auch in den Stimmen der Nachttiere Stimmen zu vernehmen, die ihnen auch Geheimnisse verraten könnten. Diese Nächte waren dereinst bei den Germanen dem Sturm- und Totengott geweiht und gingen dem großen Jul-Fest voran. Kein Wunder also, dass man in diesen Nächten den wilden Jäger umgehen hört.
 
Die wilde Jagd rauscht durch Wälder und Schluchten, durch verlassene Gemäuer, durch Häuser und Ställe. So haben sich entsprechende Sagen mit dem wilden Jäger auch im Odenwald erhalten. So soll der "Wilde Jäger" früher im Ünglertstal unterhalb der Burg Wildenberg gehaust haben und dort nachts mit Hundegebell in der Luft gejagt haben. Auch über die Gegend von Schloßau fährt er zuweilen nachts mit großem Jagdgetöse. Wer dann im Freien ist und ihn herankommen hört, der muss ihm ausweichen, oder sich mit dem Gesicht auf den Boden legen, sonst wird er, wie schon geschehen, vom "Wilden Jäger" mit dessen Jagdnetz gefangen, fortgenommen und in einem fremden Land zur Erde gesetzt. Auch aus Mudau berichtet man Ähnliches. Aus Ernsttal wird berichtet, dass, wenn es stürmt und braust, das wilde Heer aus dem Raum Erbach über den Odenwald zieht. An den Häusern und Ställen macht man zum Schutz drei Kreuze über die Türen. Schon manch einer, der dies vergaß traf das Unglück in der Familie oder im Stall. Oft waren auch den Haustieren Mähne und Schwänze vom "Wilden Heer" geflochten. In Ernsttal soll es 1914 und 1918 gehört und mit Kriegsbeginn und -ende in Zusammenhang gebracht worden sein.
 
Da die neue Lehre diesen alten Dämonen und ihrem Treiben mit Weihrauch Einhalt zu gebieten trachtete, werden diese Nächte mancherorts auch Rauh- oder Rauchnächte genannt. Aber es scheint auch, dass die Nächte nicht mehr so wild und stürmisch sind wie früher und man weiß heute, dass alles Aberglaube ist.
 
Geblieben ist von dem Wissen um die Bedeutung wenig und man weiß noch wage etwas vom "Zwiebelorakel", bei dem zwölf halbe Zwiebeln, mit Salz bestreut und auf einem Fenstersims in der Nacht zum 2. Januar ausgelegt, durch entsprechende Reaktionen Auskunft über bevorstehende trockene oder feuchte Monate geben sollen. Tiefer verwurzelt ist der Glaube noch, dass die Monate witterungsmäßig so werden wie diese Tage und Nächte, da sie symbolisch für die zwölf Monate stehen und wie die Ereignisse in diesen zwölf Tagen und Nächten über den Menschen hinwegbrausen, so soll er auch im Lauf des Jahres Schicksalsschläge, Überraschungen und Freuden erleben.
 
Neckar-Odenwald-Kreis, FN 2.1.04
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Frank
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Geister- und Aberglauben hierzulande  
« Antworten #4 am: 02/02/04 um 07:55:29 »
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Die Käberchen an den Milchschüsseln
 
Zwischen hohem Neujahr (6. Januar) und der anbrechenden Fastnacht waren in früheren Zeiten in den Vorstellungen der Leute allerlei Geister unterwegs. Sie gaben ihre Macht noch nicht auf und ließen sich nicht ohne weiteres vertreiben. Das dauerte meist bis zur Walpurgisnacht am 30. April an.
 
Mancher Geisterglaube besaß auch in Kamenz und Umgebung eine langhaltige Wirkung. Selbst bis in das vergangene Jahrhundert hinein schwelten in mancher Gemeinde diese Phantasievorstellungen und wurden von Generation zu Generation weitergegeben. Besonders war es hier das Käberchen, auch Köberchen genannt, das die Leute in seinem Bann hielt. Es soll klein von Gestalt, aber groß an Kraft sowie voller List und Tücke gewesen sein. Aber keiner hat es natürlich je gesehen. Beispielsweise gänge es dem Bauern gut, der ein Käberchen in seinem Haus hätte, wurde erzählt. Er profitiere von ihm; vor allem das Vieh im Stall gedeihe auf wundersame Weise. Die Kühe gäben doppelt so viel Milch als sonst, während die der anderen Dorfbewohner „ständen“, das heißt keine Milch geben würden.
 
An Frau Richter war schwer vorbeizukommen
Wen wundert das, wenn die Leute, die solch ein Käberchen angeblich bei sich duldeten, von den anderen gemieden wurden? Das war im Dorf Spittel bei Kamenz am Fuß des Eulenfelsens genauso wie in Lückersdorf oder noch vor fünf Jahrzehnten in Reichenbach. Wer da frühmorgens die alte Frau Richter die Straße fegen sah, kehrte um und machte einen Bogen um ihr Haus. Denn ihr zu begegnen, brachte Unglück. Das musste nicht sein, so meinte man. Außerdem wurde erzählt, dass nachts schwer an ihrem Haus vorbeizukommen wäre. Wie mit Stricken zusammengebunden hätte man die Füße nicht mehr vorwärts bringen können. Und oben aus dem Schornstein stiegen zur gleichen Zeit feurige Kugeln empor.
 
Geisterkraft als eine übertragbare Krankheit
Wer aber in solchen Häusern aus- und einginge, so sagte man, setzte sich der Gefahr aus, das Käberchen übertragen zu bekommen. Es suchte sich nämlich stets einen nächsten Menschen, der es weiterhin mit sich rumtragen müsste – und das immer dann, wenn der Vorgänger verstorben war. Da war Vorsicht geboten, denn all der Spuk, den die Leute ringsum sich gegenseitig weismachten, hinterließ beim Betroffenen üble Nachrede. Man mied also seine Nähe und ließ ihn seine Ausgegrenztheit spüren.
 
Tatsächlich waren die Milchschüsselchen auf dem Dachboden eines solchen Geisterhauses immer wieder leer. Das war für die Abergläubischen Beweis genug, dass das Käberchen am Werke gewesen sein musste. Andere, die auf dem Boden der Realitäten standen, bemerkten dazu, dass sich die Katzen an der Milch gütlich tun würden. Oder sollte man denn wirklich glauben, dass aufgeklärte Menschen unter ihrem Dach ein Käberchen gefüttert hätten!
 
Quelle: sz-online 31.1.2004
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Frank
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Unheimliche Begegnungen - Spuk in Großbritannien   ghostwalk.jpg
« Antworten #5 am: 02/02/04 um 08:05:46 »
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Ghost-Walks in Großbritannien.
 
Wenn Besuchern ein Schauer über den Rücken läuft, liegt das nicht unbedingt am britischen Wetter. Denn bekanntlich spukt es auf der Insel und das schon seit Jahrhunderten. Dabei fühlen sich die Geister nicht nur in altem Gemäuer wohl. Auch von modernen Neubauten ist der Besuch aus dem Jenseits begeistert.  
 
Ein echter Brite – sei er nun tot oder nicht - liebt auch das Pub. Unheimliche Begegnungen sind nicht nur den Konsumenten geistiger Getränke vorbehalten. Selbst nüchterne Menschen gaben schon einmal an, einen Geist gesehen zu haben. Das Old Ferry Boat Inn in Holywell in der Grafschaft Cambridgeshire ist eines der ältesten Gasthäuser in England. Seine Geschichte reicht über 1.000 Jahre zurück. Inmitten der Bar markiert ein Stein das 900 Jahre alte Grab von Juliette Tewsley, die sich an einem nahen Weidenbaum erhängte. Schuld war ein ansässiger Holzfäller, der sie zurückgewiesen hatte. Immer wieder kehrt ihr Geist zurück, um zu jammern, zu klagen und mit Fingern auf ihr Grab zu deuten.  
 
Auch in Londons Wilton Row spukt es. Dort ist es das Grenadier, welches regelmäßig heimgesucht wird. Einst pflegten Offiziere des Duke of Wellington an diesem Ort ihre Trinkkultur. Einer der Offiziere nahm es beim Spielen nicht ganz so genau mit der Wahrheit. Die anschließende Diskussion musste der Spielverderber mit dem Leben bezahlen. Seine Anwesenheit macht sich durch unheimliche Schemen, Schatten und unerklärliche Ereignisse bemerkbar. Zum Glück bietet die Kneipe auch schnellen Trost für alle Heimgesuchten: Der Pub serviert die beste Bloody Mary Londons.  
 
Im nordwalisischen Beaumaris liegt im Schatten des 700 Jahre alten Beaumaris Castle das Bulkeley Hotel. Im Laufe seiner Geschichte residierten hier schon so illustre Gästen wie König Edward VII, Königin Alexandra und Nelson Rockefeller. Die ständig auftretenden Geister mögen zwar nicht ganz so berühmt sein, erregen aber doch immer wieder Aufsehen. Gespenst George erscheint mit Vorliebe in der Nähe von Zimmer 23. Keiner kennt den Grund - wahrscheinlich eine tragische Liebesgeschichte. Ein anderer weiblicher Geist geht angeblich im Keller des Hotels um. Allerdings nur am Samstagabend.  
 
Wer ohne einen ordentlichen Schock nicht schlafen kann, sollte sich einen so genannten Ghost Walk antun. Diese Rundgänge führen an verschiedene Stellen in den betreffenden Städten, wo Geister ihr Unwesen treiben oder unerklärliche Phänomene gesichtet wurden. In mittelalterlichen York scheinen die Geister besonders aktiv zu sein. Gleich fünf verschiedene Anbieter von Ghost Walks konkurrieren dort miteinander. Auch in Edinburgh lohnt die Teilnahme an einem der Geister-Spaziergänge: Mit einem Glas schottischen Single Malt lässt sich jeder Schrecken ertragen.
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Frank
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Gibt es Hexen nur noch als Faschingsfiguren?  
« Antworten #6 am: 02/02/04 um 08:10:34 »
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Manche alten Unterallgäuer Bräuche gehen noch auf die früher gefürchtete "Hexerei" zurück.

Der Glaube an Hexen war einst wie eine Epidemie und brachte viel Unglück über die Menschen. Doch auch heute soll es noch Leute geben, die an die zerstörerische Kraft von Hexen glauben. Es gibt sogar Frauen, die als Berufsbezeichnung "Hexe" angeben. Auch im Fasching und in unserer Sprache sind sie noch unter uns.  
 
Der Hexenglaube und Hexenwahn waren ein finsteres Kapitel im Mittelalter. Noch im 18. Jahrhundert wurden Frauen als Hexen verbrannt. Wenn auch mit der Aufklärung Hexenverfolgungen verboten wurden, endete der Volksglauben an die Hexerei nicht. Besonders in ländlichen Gegenden wurzelte der Irrglaube tief, und Volkskundler sind sich noch nicht ganz sicher, ob er schon ganz ausgerottet ist. Als Hexen wurden fast ausschließlich Frauen gesehen, da diese, wie man meinte, leichtgläubig und bösen Phantasien schneller zugänglich seien. Wenn das Korn verdarb, die Hühner ihre Eier verlegten oder eine Kuh verwarf, dann beschuldigte man Hexen. Wenn die Kühe keine Milch gaben, war man sich früher auch sicher, dass Hexen die Kühe heimlich ausgemolken haben. Neben den "Milchhexen" gab es auch die "Wetterhexen". Es hieß auch, dass die Hexen in der Walpurgisnacht zum 1. Mai auf einem Besen reitend durch die Lüfte sausten. Die so genannte Freinacht ist ein Überbleibsel davon. Auch in den geheimnisvollen Rauhnächten zwischen Thomastag und Dreikönig sollen Dämonen, Hexen und bösen Geister durch die Lüfte gefegt sein. So gab es früher immer wieder Geschichten über verschwundene Menschen und Hunde. Gegen diese bösen Geister ging man in Haus und Stall durch Ausräuchern mit Weihrauch vor, und man machte mit geweihter Kreide drei Kreuze an die Türen. Aus dem Ausräuchern wurde ein Brauch, der sich an Dreikönig bis heute erhalten hat. Ältere Menschen berichten, dass man früher Besen häufig mit dem Stiel nach unten angelehnt habe, um die Gewalt der Hexen zu brechen. Immer wieder erzählte man auch von alten Frauen mit dem bösen Blick, die auf keinen Fall in einen Kinderwagen schauen oder von denen Kinder nichts annehmen durften. Noch vor wenigen Jahrzehnten erzählte man sich die Geschichte eines Mannes aus einem Unterallgäuer Dorf, der als "Simpertie-Macher" nach dem abendlichen Gebetläuten wegen böser Geister eine bestimmte Straße nicht mehr passieren durfte. Ob es heute immer noch Leute gibt, die an Hexen glauben? Jedenfalls ist der Hexenglaube zumindest in unserer Sprache noch präsent: "Das geht nicht mehr mit rechten Dingen zu", "das ist doch wie verhext" oder "ich kann auch nicht hexen" sind gebräuchlich. Letztlich haben die Hexen auch jährlich in den Faschingsumzügen und beim Narrentreiben ihre große Zeit. Als Hexen verkleidete Kinder und Erwachsene ziehen dann auf Besen reitend durch die Straßen und erschrecken Leute.  
 
Quelle: Memminger Zeitung, 2.2.04
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Gabriele
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Re: Aberglauben zwischen Christnacht und Dreikönig  
« Antworten #7 am: 03/03/04 um 19:03:15 »
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Zum Thema keine "Wäsche waschen" muss ich noch etwas anfügen. Ich glaub das ist falsch weiter gegeben worden. es geht nicht ums waschen, sondern ums aufhängen. Es sollen keine Geister die in diesen besagten Nächten vermehrt ums Haus fliegen, sich Nächtens verfangen in der Wäsche die auf den Leinen hängt. Sonst bleiben "Sie" haften und holen sich noch jemanden. Zumindest bei und in Österreich ist das der Grund.
am 12/27/03 um 17:47:17, schrieb Frank :
Mit Weihrauch gegen böse Geister
 
Ursprünglich war die Zeit um Weihnachten die Zeit der germanischen Wintersonnenwende. Immergrüne Zweige, denen man schützende und heilende Kräfte zuschrieb, sollten nicht nur die Wiederkehr der Sonne beschwören, sondern auch magischen Zauber gegen Dämonen und böse Geister ausüben.  
 
Die trieben sich gerade in diesen langen und rauen Nächten mit Sturmgebraus und Geheul überall herum, wie Wotans Wilde Jagd. Eine weitere Abwehr gegen böse Geister war für unsere Vorfahren das Ausräuchern von Haus und Stall. Die Bezeichnung "Raunächte", dieser zwölf Nächte von Christnacht bis Dreikönig - auch die Zwölften genannt - leitet Johann Andreas Schmeller, der wohl bedeutendste bayerische Sprachwissenschaftler ab, von "die Wohnstuben, die Ställe ausräuchern, in denselben unter gewissen Gebeten und Zeremonien Weihrauch anzünden".  
 
Keine Wäsche waschen
 
Zum Ausräuchern verwendete früher der Priester, später der Bauer, ausser dem Weihrauch das Blumenbüschel, das zu Maria Himmelfahrt die kirchliche Weihe erhalten hatte. Dieses Räuchern hat heute nur zu Dreikönig noch Bestand. In diese Raunächte spielt der Aberglaube derart mit hinein, dass zum Beispiel keine Wäsche gewaschen werden durfte, sonst starb jemand in der Familie. Möglichst viele Weißbrote waren zu backen, um von einer Hungersnot verschont zu bleiben.  
 
Auch durfte in den "zwölf heiligen Nächten" kein Handwerker ins Haus geholt werden, wollte man sich nicht bösen Verheissungen ausgesetzt wissen. So wurden vom Frost zerborstene Wasserrohre lieber mit Ton verschmiertem Hanf oder Lappen umwickelt. Was man in den Raunächten träumte, sollte im nächsten Jahr in Erfüllung gehen, wobei die erste Raunacht für Januar, die zweite für Februar usw. galt.  
 
Hexen und Truden
 
Kaum ein Bauer karrte in dieser Zeit Mist auf die Felder. Und wem seine Füße lieb waren, der ließ zwischen Christnacht und Dreikönig die Stiefel ungeputzt. Schließlich schüttelten vom Aberglauben Besessene in der Christnacht ihre Obstbäume; dies sollte eine gute Ernte verheissen.  
 
Und da waren dann noch die "Losnächte", die zum Teil mit den Raunächten zusammen fielen. In diesem Falle sahen sich unsere Vorfahren den besonderen Gefahren durch Hexen, Druden und besonders der "Wilden Jagd" ausgesetzt. Da gab es allerhand Möglichkeiten, mit der "Geisterwelt" vom Abend bis zum Hahnenkrähen in Verbindung zu treten, wie zum Beispiel durch Orakelbefragen. So ein Brauch war zum Beispiel das Bleigießen in der Silvesternacht. Die sich dabei bildenden Figuren hatten allerhand Symbolwerte. So soll ein Kreuz Krankheit oder Tod im Verwandtenkreis, eine Kugel keine wesentliche Veränderung im kommenden Jahr bedeutet haben.  
 
Blumen wiesen auf Freude, eine beginnende neue Freundschaft oder Glück in der Liebe, runde Taler oder Geldstücke auf einen Geldgewinn und Tiere auf gute Geschäfte und landwirtschaftlichen Vermögenszuwachs hin. Auch mit dem Wetter wurden die Los- und Raunächte in Verbindung gebracht und es entstanden manche volkstümliche Wetteregeln, wie beispielsweise: Geht Barbara im Klee, kommt das Christkind im Schnee oder regnet es an St. Nikolaus, wird der ganze Winter streng und graus(lich).  
 
Aberglaube? In unseren Tagen nennt man es so. Aber es war einmal Glaube und steckt noch heute - meist unbewusst - in Vielem was wir tun. Bereichert es nicht unser ein wenig geheimnislos gewordenes Leben? Und darum ist es schön, sich zu erinnern, dass die Raunächte einmal "heilig" waren.  
 
Oberviechtach/Kühried - Amberger Zeitung 22.12.03

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KerstinG.
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Re: Volksbräuche gegen böse Geister  
« Antworten #8 am: 03/04/04 um 13:16:26 »
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Das mit der Wäsche kenne ich so: In den Rauhnächten ist die Wilde Jagd unterwegs und die Hufe ihrer Pferde könnten über die Wäscheleinen stolpern. Das erzürnt die Reiter und sie sinnen auf Rache.
 
Meine Mutter hat sich zuerst noch dran gehalten und in dieser Zeit nicht gewaschen, auch wenn ich glaube, es war nur ein Vorwand, die Arbeit liegen zu lassen.
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